Notausgang von Luise Ungerboeck

27. März 2002, 19:19
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Der Telecom Italia, dem vor vier Jahren mit großen Zielen und einer noch größeren Geldtasche nach Wien gekommenen strategischen Partner der Telekom Austria, gefällt es hier nicht mehr. Diese im Frühsommer 2001 offiziell überbrachte Botschaft kam nicht überraschend, denn mittlerweile war selbst Laien klar, dass das rund 2,5 Milliarden Euro schwere Investment in Österreich nicht nur wenig Ertrag abgeworfen hatte, sondern sich auch strategisch in einer Sackgasse befand. Wien war nicht Drehscheibe für die ursprünglich geplante Expansion nach Osteuropa, sondern für die Römer die Endstation.

Hinzu kam, dass die Telecom-Italia-Gruppe, selbst Opfer zweier Übernahmen, mit teuren Einkaufstouren in Südeuropa und Südamerika Schulden wie ein Stabsoffizier angehäuft hat. Die Folgen sind klar: Der Druck der Banken stieg, und die neuen Mehrheitseigentümer, Pirelli und Benetton, begannen auf Teufel komm raus zu verkaufen. Da blieb für industriepolitische Impulse, wie sie die Telekom Austria dringend gebraucht hätte, keine Zeit und schon gar kein Geld.

Und was unternimmt die per Gesetz zur Privatisierung der heimischen Staatsbetriebe verpflichtete ÖIAG nun? Falsch geraten. Sie verkauft nicht. Im Gegenteil, sie lässt nicht einmal den mit ungewöhnlich weit reichenden Rechten ausgestatteten Miteigentümer in Frieden ziehen, sondern verschanzt sich hinter einer dubiosen Wertsteigerungsstrategie, die schon bei der Voestalpine nicht gut ankam.

Bei aller Liebe zur Wertsteigerung - für diese sind die Steuerzahler der ÖIAG sicher ewig dankbar -, am besten ließe sich der Wert der TA im Moment steigern, wenn die ÖIAG dem unwilligen Großaktionär endlich den Weg zum Notausgang erlaubt und selbst gleich den nächsten Privatisierungsschritt setzt.

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