Rotstift bei der "FAZ"

27. März 2002, 20:33
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Millionenverluste zwingen den FAZ-Verlag zu drastischen Sparmaßnahmen - Weniger Seiten, mehr Kooperation

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) gilt wegen ihres nicht auf Gewinnausschüttung ausgerichteten Stiftungsmodells als besonders krisenfest. Doch das schwierige Umfeld zwingt auch die FAZ zu drastischen Sparmaßnahmen: So wird der Umfang der exklusiv in der Hauptstadt erscheinenden "Berliner Seiten" von durchschnittlich sechs, manchmal acht Seiten, auf vier reduziert. Weiters soll eine Seite im täglichen Feuilleton wegfallen.

Aus dem Umzug nach Berlin wird nichts

Der groß angekündigte Umzug der Feuilletonmannschaft nach Berlin wurde, wie gemeldet, nun ebenfalls aus Kostengründen abgesagt (etat.at berichtete). Für den verantwortlichen FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher markiert der Rückzug vom Umzug eine persönliche Niederlage, zumal er die Ankündigung mit nicht gerade schmeichelhaften Aussagen über die Provinz Frankfurt garnierte.

Aber auch bei den Personalkosten soll gespart werden. Der obligatorische Dienstwagen für FAZ-Redakteure wurde schon im Vorjahr gestrichen, jetzt soll es Gewerkschaftsangaben zufolge Einschnitte für alle nicht fest angestellten Mitarbeiter geben. Von Kürzung der Honorare im Ausmaß von gleich 20 Prozent per 1. April, über die Konkurrenzmedien berichten, wissen die Betroffenen allerdings noch nichts.

Honorarkosten sollen reduziert werden

Bestätigt wird jedoch der Appell der Führung des Hauses an festangestellte und feste freie Mitarbeiter, mehr zu schreiben, damit nicht mehr so häufig auf freie Autoren zurückgegriffen werden müsse. So sollen die hohen Honorarkosten reduziert werden.

Ebenfalls ernsthaft diskutiert wird der Umfang der Rhein/Main-Beilage. Die täglichen englischsprachigen "Best-of-FAZ-Artikel" in der International Herald Tribune stehen auch auf der Kippe, für Österreich wurde die Beigabe schon im Vorjahr aus Kostengründen gestoppt.

Mehr Kooperationen

Mit weitgehenden Kooperationen versuchen die Verlage, der Krise auf dem weiterhin heiß umkämpften Berliner Zeitungsmarkt zu begegnen. Der bei der Berliner Zeitung federführende Verlag Gruner + Jahr propagiert die Zusammenarbeit mit anderen Blättern des Hauses, vor allem der Sächsischen Zeitung und der Financial Times Deutschland. Für Aufruhr sorgte intern der Plan, die Berichterstattung für alle drei Blätter über die Fußballweltmeisterschaften in Japan und Korea in Form einer Poollösung zu organisieren.

Verkaufsgespräche gestalten sich schwierig

Gespräche über einen Verkauf der Berliner Zeitung an die in Österreich bei Krone und Kurier beteiligte WAZ gestalten sich indes schwierig. Gleiches gilt für Gespräche mit dem Kartellamt, das sich gegen die von Holtzbrinck forcierte Zusammenlegung sämtlicher Bereiche außer der Redaktion des eigenen Tagesspiegel und der Berliner Zeitung nach dem Muster etwa der heimischen Mediaprint sperrt. Die dritte hauptstädtische Abozeitung, die Berliner Morgenpost, hat schon zu Jahresbeginn mit der ebenfalls zum Springer-Konzern gehörenden Welt fusioniert.

Wettbewerb müsse entscheiden

Just im Welt-Interview bekräftigte der zuständige Abteilungsleiter des Kartellamtes, Klaus Paetow, Widerstand gegen die Fusion etwa der Anzeigenabteilungen von Berliner Zeitung und Tagesspiegel: "Will man da etwas zusammenlegen, und sagt gleichzeitig, im Lesermarkt machen wir uns weiter Konkurrenz, ist das eine Philosophie, der wir nicht folgen können." Es müsse "Wettbewerb entscheiden, welche Zeitung überlebt und welche nicht". (DER STANDARD; Print-Ausgabe, 28. März 2002)

STANDARD-Korrespondentin Alexandra Föderl-Schmid

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