Blutbad im israelischen Netanya

27. März 2002, 21:20
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Selbstmordattentäter zündet Sprengsatz vor Hotel - Mindestens 15 Tote und hundert Verletzte - Hamas bekennt sich zu Attentat

Jerusalem - Mit einem blutigen Selbstmordanschlag in Israel haben die Friedensbemühungen im Nahen Osten einen schweren Rückschlag erlitten. Bei einem der schwersten Attentate seit dem Beginn des Aufstands der Palästinenser vor 18 Monaten sind am Mittwoch in der Küstenstadt Netanya mindestens 15 Menschen getötet worden. Mehr als hundert Personen wurden verletzt, wie die Polizei berichtete. Das Attentat ereignete sich zum Beginn des jüdischen Passahfests. Der Attentäter habe das Park Hotel betreten, sei durch die Lobby zum Essensraum gegangen, wo er sich in die Luft sprengte, berichtete der örtliche Polizeichef, Aharon Franko.

Nach Angaben der Polizei schweben 16 der Verletzten in Lebensgefahr. Zahlreiche Gäste mussten mit Schocksymptomen behandelt werden. Unter den Toten waren nach Angaben des israelischen Fernsehens auch mehrere Kinder. Der israelische Polizeiminister Usi Landau sagte am Ort des Anschlags: "Dies war kein Anschlag, dies war ein Massaker."

Zweiter Anschlag in Netanya in zwei Wochen

Es war der zweite Anschlag in Netanya in zwei Wochen. Zu dem Anschlag soll sich in einem Anruf bei einem arabischen Fernsehsender die islamistische Gruppe Hamas bekannt haben. Im Park Hotel warteten viele Menschen auf den Einlass in den Essenssaal, wo das traditionelle Essen zum Passahfest serviert wurde. Nach der Explosion stürzten Wände ein, Tische und Stühle wurden umgeworfen. Kabel hingen von der Decke.

Polizei machtlos

Die israelische Polizei war wegen des Passahfests in erhöhter Alarmbereitschaft, mehr als 10.000 Polizisten waren an möglichen Gefahrenpunkten stationiert worden. Es aber sei unmöglich, alle Angriffe zu verhindern, sagte Polizeichef Shlomo Aharonischki. "Auch mit noch mehr Polizisten können wir die Städte nicht abriegeln. Dieser Anschlag beweist dies nur." Auch die Bürgermeisterin von Netanya, Miram Feyerberg sagte, Angreifer könnten von vielen Seiten in die Stadt gelangen. "Es ist einfach unglaublich." Am 9. März hatten zwei Palästinenser im Hotel Jeremy in Netanya das Feuer eröffnet und dabei zwei Israelis getötet und Dutzende verletzt. Die Polizei tötete die beiden Angreifer.

"Dieses Massaker beweist, dass die Palästinenser nicht die Absicht haben, irgendeine Art von Waffenruhe zu erreichen", sagte ein Mitarbeiter des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon in Jerusalem. Dem Terror gegen Israel solle offenbar kein Einhalt geboten werden.

Der bisher schwerste Anschlag seit Beginn der zweiten palästinensischen Intifada hatte sich am 1. Juni vergangenen Jahres ereignet, als palästinensische Extremisten vor einer Diskothek in Tel Aviv 21 Menschen töteten.

Der Anschlag drohte auch die Bemühungen des US-Vermittlers Anthony Zinni um einen Waffenstillstand zu gefährden. US-Präsident George W. Bush hatte zuvor noch in Washington erklärt, Zinni verzeichne sehr gute Fortschritte. Nach dem Anschlag sagte aber ein Berater des israelischen Ministerpräsidenten, Israel wolle zwar einen Waffenstillstand, werde seine Politik aber womöglich angesichts dieses Anschlags überdenken. Israel macht für gewöhnlich den palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat für solche Anschläge verantwortlich.

Bei Ramallah im Westjordanland nahm die israelische Armee am Mittwoch einen mutmaßlichen palästinensischen Selbstmordattentäter fest. Der Mann habe Sprengstoff bei sich getragen und sei in einem Krankenwagen befördert worden. Der Fahrer des Krankenwagens stand laut israelischer Armee auf ihrer Fahndungsliste. (APA/AP/dpa)

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