Späte Klagen wegen Sklaverei

27. März 2002, 18:45
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Afro-Amerikanerin will Schadenersatz von drei Wirtschaftsunternehmen

Im Namen von 35 Millionen schwarzen Amerikanern haben Anwälte der 36-jährigen Deadria Farmer-Paellmann Klage gegen drei US-Firmen eingereicht, die sich nahezu zwei Jahrhunderte durch Sklaverei bereichert hätten. Mit dabei ist auch der in Österreich wohl bekannte Anwalt Ed Fagan, der in einem CNN-Interview auf seine Rolle bei der Wiedergutmachung für Opfer des Holocaust in Österreich und während des Krieges internierte Amerikaner japanischer Herkunft in den USA hinwies. Die Klage vor einem Bundesgericht in Brooklyn richtet sich gegen den Versicherungskonzern Aetna, die Bahngesellschaft CSX und den Finanzdienst FleetBoston.

Fünf Jahre lang hatte die ehemalige Jus-Studentin Farmer-Paellmann, deren Vorfahren Sklaven waren, das Thema recherchiert und war dabei auf Versicherungspolizzen der Vorgängerfirma von Aetna Insurance gestoßen, die Besitzer von Sklaven gegen den Verlust ihres "Menschengutes" versichert hatten. Den Vorgängern von CSX wird vorgeworfen, Bahnlinien mithilfe von Sklavenarbeit hergestellt zu haben. Die Finanzfirma FleetBoston, so die Anklageschrift, sei Nachfolger der von dem Sklavenhändler John Brown gegründeten Providence Bank.

In der Klage wurden keine spezifischen Summen genannt. Sollte sie erfolgreich sein, sollen eventuell den Klägern zugesprochene Gelder in einen Fonds fließen, der die Lebensbedingungen für Schwarze in der Gesundheitsfürsorge oder bei der Wohnungsbeschaffung verbessern soll. "Hier geht's nicht um ein paar Einzelpersonen, die Schecks in ihren Briefkasten erhalten", erklärte Farmer-Paellmanns Anwalt Roger Wareham. Es wird erwartet, dass während der nächsten Wochen weitere Klagen gegen 60 bis 100 weitere Firmen, die von der Sklaverei profitiert haben, eingereicht werden.

Eine der größten Hürden für die Kläger ist die Verjährung - immerhin wurde die Sklaverei mit Ende des Bürgerkriegs, also bereits 1865, abgeschafft.

Die Versicherungsgesellschaft Aetna nennt die Ereignisse "bedauerlich", ist jedoch der Ansicht, dass die Gerichte die Klage zurückweisen werden. Seitens CSX wird erklärt, "die Sklaverei war ein tragisches Kapitel in der Geschichte unserer Nation", die Ereignisse hätten jedoch vor mehr als einem Jahrhundert stattgefunden; CSX selbst sei erst 1980 gegründet worden. FleetBoston hat sich bisher noch nicht geäußert.

Gegner von Reparationszahlungen für schwarze Amerikaner argumentieren, dass die von Fagan zitierten Fälle (Opfer des Holocaust und Amerikaner japanischer Abstammung) sich auf direkt betroffene Opfer bezögen, es sich bei der Klage um Wiedergutmachung für Sklaven jedoch um Nachkommen handle, die viele Generationen von den Opfern entfernt seien. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28. 3. 2002)

Von STANDARD-Korrespondentin Susi Schneider aus New York
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