Gipfeltreffen der Arabischen Liga: Kalte Realität

27. März 2002, 19:04
posten

Ein Kommentar von Gerhard Plott

Selten ist von einem Gipfeltreffen der Arabischen Liga so viel erwartet worden wie von der Konferenz, die am Mittwoch in Beirut begann. Die arabischen Staaten könnten eine neue Geschlossenheit in entscheidenden politischen Fragen demonstrieren, der Friedensplan des saudi-arabischen Kronprinzen Abdullah, eines international geschätzten, integren Potentaten, könnte frischen Wind in den Friedensprozess im Nahen Osten bringen, so lauteten die Hoffnungen.

Nach dem ersten Tag der Konferenz müssen diese Erwartungen wieder zurückgeschraubt werden, die kalte Realität verdrängt das Wunschdenken. Von überwältigender arabischer Einigkeit war nichts zu sehen, Palästinenserpräsident Yassir Arafat durfte trotz saudi-arabischen Protests nicht direkt zu den Tagungsteilnehmern reden, technische Übertragungsprobleme wurden von den libanesischen Gastgebern vorgeschützt. Da aber im Libanon nicht einmal ein Rad umfällt, ohne dass Syrien seine Hand im Spiel hat, liegt die Vermutung nahe, dass Damaskus die flammende Zustimmung Arafats zum saudi-arabischen Friedensplan der versammelten Arabischen Liga nicht zu nahe bringen wollte. Syrien rief stattdessen in bewährter Weise zum "Widerstand gegen israelische Terroristen" auf. Der saudi-arabische Friedensplan stieß allerdings schon von vornherein auf vehemente Ablehnung der israelischen Regierung, da er "Israel zerstören" würde, wie sich Premier Ariel Sharon ausdrückte.

Und wieder ist die alte Pattsituation im Nahen Osten hergestellt. Alle reden vom Frieden, aber niemand ist zu gravierenden Zugeständnissen an die jeweils andere Seite bereit. "Die jetzige Situation im Nahen Osten ist ein Tunnel ohne Licht, und der saudi-arabische Friedensplan ist in dieser Situation ein Licht ohne Tunnel", erklärte Israels Außenminister Shimon Peres. Und während nach Lösungen gesucht wurde, starben am Mittwoch bis Redaktionsschluss drei Menschen. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 28.3.2002)

Share if you care.