Fotochip soll Filmqualität erreichen

27. März 2002, 19:14
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Seit fünf Jahren in Entwicklung, soll der Foveon-X3-Chip digitale Bildqualität verdreifachen

San Francisco/Wien - Digitale Fotografie hat in den vergangenen Jahren weitgehend die Ergebnisse herkömmlicher Fotos auf Filmbasis erreicht, und in vielen Bereichen wie Zeitungen wurde sie zum Standard, ohne dass Betrachter einen Qualitätsverlust wahrnehmen konnten.

Dennoch haben selbst teure, hochauflösende Fotochips weiterhin Nachteile gegenüber Film, wie unerwünschte Farbmuster, geringere Farbtiefe und geringere Schärfe. Jetzt will eine der Silicon-Valley-Legenden, der Physikprofessor Carver Mead, in den 70ern fünfter Intel-Mitarbeiter, mit einer neuen Erfindung mit Filmqualität gleichziehen oder sie sogar übertreffen.

Serienprodukt der X3-Chip

In diesen Wochen kommt erstmals in einem Serienprodukt der X3-Chip auf den Markt, an dem das von Mead gegründete Unternehmen Foveon seit 1997 arbeitet. Die Spiegelreflexkamera SD9 des japanischen Herstellers Sigma mit dem neuen Chip wird 3000 Dollar (3240 Euro) kosten; eine zweite Generation des X3 soll in diesem Herbst marktreif sein und könnte in Geräten um Preise von rund 1000 Dollar (1140 Euro) im nächsten Jahr erhältlich sein.

Der X3-Chip verwendet einen Sensor mit 3,5 Megapixel, was angesichts von Chips mit fünf oder sechs Millionen Bildpunkten bescheiden wirkt. Statt seine Pixel auf die drei Farben des RGB-Spektrums (Rot, Grün, Blau) aufzuteilen, verdreifacht er aufgrund eines neuen Konstruktionsprinzips mit drei Farbschichten zu je 3,5 Mio. Bildpunkte die Aufzeichnungsdichte (darum auch der Name, der für "mal drei" steht; siehe Grafik zur Funktionsweise). Zusätzlich erfordert diese mosaikartige Aufteilung der Farbpunkte bis zu 100 Berechnungen pro Pixel, was gleichfalls zu Qualitätsverlust führen kann. Im Effekt, sagt Mead, werden durch die neue Konstruktion des X3 Auflösungen erreicht, für die derzeit Chips mit etwa sieben Megapixeln in Kameras zum doppelten Preis benötigt würden.

Mit der jetzt gebauten Sigma-Kamera kann Foveon den Beweis für die Richtigkeit seiner Entwicklung liefern, die von der Fotoindustrie mit Interesse beobachtet wird. "Wenn sich diese Technologie beweisen kann, wird sie für uns sehr signifikant sein", kommentierte der für Digitalfotografie verantwortliche Kodak-Manager Madhav Mehra gegenüber der New York Times. Zwischen Foveon und Kodak soll es bereits Gespräche über den möglichen Einsatz des X3-Chips in Kodak-Kameras geben.(Helmut Spudich, Der Standard, Printausgabe, 28.03.2002)



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