Erste lässt kein Fettnäpfchen aus

27. März 2002, 18:53
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Tschechien-Tochter wegen Parteispende unter Beschuss

Wien - Die Erste Bank lässt in letzter Zeit keine Gelegenheit aus, um ihre Reputation nachhaltig zu beschädigen. Vorige Woche versuchte das Institut die heimische Presse mit unvollständigen Angaben zum Jahresabschluss 2001 zu täuschen, am Montag dieser Woche entrüstete sich die tschechische Presse, weil eine Parteispende der Erste-Tochter Ceská sporitelna bekannt wurde.

Die Ceská sporitelna Ceska ließ drei von vier im Parlament vertretenen Parteien (nur die Kommunisten gingen leer aus) eine Wahlkampfspende von insgesamt 7,5 Mio. Kronen (240.000 Euro) zukommen, um - so die seltsame Begründung - "der Entwicklung des demokratischen Prozesses in der Tschechischen Republik zu helfen".

"Cowboy-Manieren ablegen"

"Der Chef der Ceská sporitelna , der US-Amerikaner Jack Stein, sollte seine Cowboy-Manieren ablegen", fordert die Tageszeitung Lidove Noviny. "Wir sind nicht im Wilden Westen, in unserem politischen Umfeld ist es nicht tragbar, sich damit die nächste Regierung zu kaufen, auch wenn dies in den USA zur politischen Kultur gehört."

Martin Denemark findet in der Hospodarske Noviny, dass eine solche Spende für die Bankiers ohne Zweifel eine gute Investition ist. "Eine, eher zwei der beschenkten Parteien stellt die nächste Regierung. Und die Erinnerung an das Geschenk kann nützlich sein, wenn über notwendige Kredite entschieden wird. Die Spende sei aber auch unsittlich, weil "die Bank, in deren Aufsichtsrat Livia Klaus sitzt, einer Partei 2,5 Mio. Kronen spendet, die ihr Mann Václav Klaus führt"

Merkwürdige Zufälle

Und die Tageszeitung Tyden findet es merkwürdig, dass die Parteispende ausgerechnet an dem Tag bekannt wurde, an dem Erste-Großaktionär ASV dem Streubesitz der Ceská sporitelna ein Kaufangebot unterbreitete. "Ein großzügiges Handzeichen in Richtung Politik kann den Aktienpreis sicher beeinflussen", heißt es.

Die gebotenen 375 Kronen je Aktie werden von Analysten renommierter Banken, wie der Raiffeisen Zentralbank (RZB) oder der niederländischen ING Baring, übrigens als zu niedrig bezeichnet. ING Baring nannte 430 Kronen einen "fairen Preis", für die RZB sind 415 Kronen eine Untergrenze, andere sprechen sogar von 450 bis 500 Kronen. (gb, Der Standard, Printausgabe, 28.03.2002)

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