Doch keine BSE-Übertragung durch Muskelfleisch(?)

27. März 2002, 17:40
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Französische Lebensmittelaufsicht widerspricht den Aufsehen erregenden Studienergebnissen Stanley Prusiners

Paris - Der Rinderwahnsinn (BSE) kann nach Einschätzung der französischen Lebensmittelaufsicht (Afssa) nicht durch das Muskelfleisch von Rindern auf Menschen übertragen werden. Kontrolltests an verschiedenen Versuchstieren seien negativ verlaufen, erklärte die Behörde am Mittwoch in Paris.

Prusiners Ergebnisse

Der US-Nobelpreisträger Stanley Prusiner hatte Mitte des Monats Studien veröffentlicht, bei denen eine Ansammlung BSE-ähnlicher Erreger im Muskelfleisch von Mäusen gezeigt wurde. Die Ergebnisse hatten Aufsehen erregt, weil das Muskelfleisch nicht als Risiko-Gewebe gilt.

Die Aussagekraft der Studien des US-Forschers war von vornherein nicht ganz klar. Der amerikanische Wissenschafter hatte in die Muskeln von Mäusen Gehirnzellen mit Erregern der BSE-verwandten Traberkrankheit (Scrapie) gespritzt; in den Muskeln der Hinterpfoten hatten sich daraufhin die BSE-typischen verdrehten Eiweiße (Prionen) angesammelt. Bei ihren Kontrolltests mit Rindern, Mäusen, einem Schaf und einer Ziege fand die französische Lebensmittelaufsicht nun keinen Beleg dafür, dass Muskeln den Erreger weitertragen könnten.

Risiken

BSE und Scrapie stehen im Verdacht, beim Menschen eine neue Variante der tödlichen Hirnkrankheit Creutzfeldt-Jakob auszulösen. In der Europäischen Union gelten daher strenge Vorschriften für den Umgang mit dem Fleisch von Rindern, Schafen und Ziegen. Bisher gehen die Experten davon aus, dass der Erreger nicht über Muskelfleisch übertragen wird.

Bei der Schlachtung wird deswegen auch nur das so genannte Risikogewebe aussortiert - vor allem Gehirn und Rückenmark. Prusiner war 1997 für die Entdeckung der Prionen als Träger von BSE, Scrapie und der neuen Form der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet worden. (APA)

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