Boykott katholischer Schulen gegen Verlag

27. März 2002, 21:06
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Autoren solidarisieren sich - Arschloch-Werk bleibt unbeanstandet

Wien - Die Katholische Schulen Wiens wollen nun den Ueberreuter-Verlag boykottieren, in dem das Buch des Karrikaturisten Gerhard Haderer "Das Leben des Jesus" erschienen ist. Laut Kathpress werden die katholischen Schulen der Erzdiözese Wien davon Abstand nehmen, Bücher aus diesem Verlag anzukaufen. Dies habe der Leiter der Abteilung Schulverwaltung im Schulamt der Erzdiözese Wien, Michael Meixner, Ueberreuter-Geschäftsführer Fritz Panzer mitgeteilt. Meixner kann sich gut vorstellen, dass es auch im übrigen Österreich zu ähnlichen Maßnahmen kommen werde.

Die Interessensgemeinschaft (IG) österreichischer Autorinnen und Autoren solidarisierte sich am Mittwoch mit Haderer und fordert eine "Beendigung der Kampagne".

Hubert Feichtlbauer von der Plattform "Wir sind die Kirche" unterstützt dagegen die Bischöfe, die sich gegen das Buch ausgesprochen hatten. In dem Buch würde laut Feichtlbauer nicht die Kirche, sondern Jesus verspottet.

Foto: Moers/Eichborn
In Deutschland gab es bereits vor nahezu zehn Jahren einen Präzedenzfall. Der Zeichner Walter Moers veröffentlichte Weihnachten 1992 den Band "Es ist ein Arschloch, Maria", in dem Maria in der Krippe statt Jesus das "kleine Arschloch", eine bereits vorher existierende Figur des Zeichners, zur Welt bringt. Dieses verhält sich gemäß ihres Namens, auch die übrigen Figuren werden stark überzeichnet. Laut Horst Preuß vom Eichborn-Verlag gab es damals aber keine offizielle Reaktion der Kirchen.

Das mittlerweile über 150.000-mal verkaufte Buch erschien auch in Österreich, wurde aber von den heimischen Bischöfen nicht beanstandet. Erklärung laut Erich Leitenberger von der Pressestelle der Erzdiözese Wien: "Es war ein deutsches Produkt, für das wir nicht zuständig sind."
(moe/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28. 3. 2002)

Boykott und Argumentierung

Die Leiterin des Schulamts der Erzdiözese Wien, Christine Mann, verurteilt im Gespräch mit "Kathpress" zwar die Drohungen und Schmähungen gegen Verlag und Autor, erinnert aber zugleich an das "treffliche Wort" von Theodor W. Adorno: "Die einzige Sprache, die einmal wirklich international verstanden sein wird, ist jene des Marktes".

Neben der "kostbaren Freiheit, zu schreiben und zu veröffentlichen", gebe es auch noch "die andere Freiheit, bei einem Anbieter zu kaufen oder bei eben diesem aus guten Gründen nicht zu kaufen", so Mann, die darauf verweist, dass die katholischen Schulen mit zirka 70.000 Schülerinnen und Schülern "auch ein ernst zu nehmender wirtschaftlicher Faktor" seien. (APA)

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