Damoklesschwert schwebt über Tirol

27. März 2002, 18:52
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Die Meistermannschaft befindet sich in einer äußerst prekären Situation: "Wir brauchen dringend 1,5 Millionen Euro"

Innsbruck - Das heute erscheinende Tiroler Magazin Echo sieht Fußballmeister FC Tirol "Ins Aus gerutscht". Laut Echo kann "nur ein Wunder den Untergang des FC Tirol noch verhindern". Klub-Manager Robert Hochstaffl spricht von einem "enormen Liquiditätsengpass" und gesteht ein, dass akut 1,5 Millionen Euro fehlen. Die Spieler, die auf ausstehende Gehälter warten, haben eine letzte Frist bis 31. März gesetzt. Bekommen sie das Geld nicht, sind sie mit einem Schlag ablösefrei, und im selben Moment geht der Wert des Tiroler Spielerkaders gegen Null. Hochstaffl: "Präsident Bruckmüller arbeitet Tag und Nacht und schaut, dass wir in den nächsten Tagen wieder liquide Mittel erlangen."

Irgendwer hat Dinge ausgemacht..."

Der Reifenhändler Othmar Bruckmüller war dem Nike-Manager Martin Kerscher im Oktober 2001 als Tirol-Präsident gefolgt. Kerscher hatte zuvor einen Deal mit der US-Firma "Parker Leasing" eingefädelt, über den er nun im Echo sagt: "Anscheinend sind wir wirklich ein paar Profi-Gaunern auf den Leim gegangen." Darüber hinaus, so Kerscher, wäre es ein Fehler gewesen, dem Manager (Hochstaffl) grenzenlosen Vertrauensvorschuss zu geben. "Irgendwer in dem Verein hat zuzüglich zu den Verträgen Dinge ausgemacht, die zu dieser unheimlichen Explosion von Lohnkosten geführt haben." Hochstaffl: "Das Budget ist nicht nur von mir, sondern auch vom damaligen Präsidenten Kerscher und von Finanzvorstand Bruckmüller erstellt worden." Insgesamt sollen die Schulden 13 Millionen Euro betragen.

Meister oder Regionalliga?

Über dem FC Tirol schwebt ein weiteres Damoklesschwert - das Lizenzierungsverfahren im April. Bekommt der Meister die Lizenz nicht, wird er laut den Bestimmungen der Bundesliga, Punkt D, Absatz 7, aus dem Bewerb genommen. Das könnte auf ein Grazer Duell um den Titel hinauslaufen - und den FC Tirol schnurstracks in die Regionalliga führen. Das letzte Wort ist freilich längst nicht gesprochen, Spielergewerkschafter Rudolf Novotny etwa kann sich eine Disqualifikation Tirols praktisch nicht vorstellen. "Weil das Lizenzierungsverfahren ein rechtliches Nullum darstellt." (DER STANDARD-Printausgabe, Donnerstag, 28. März 2002, fri, josko)

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