Iris Berben erhält rechtsradikale Drohungen

27. März 2002, 15:13
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Die Schauspielerin liest in ihrem neuen Projekt aus den Tagebüchern von Anne Frank und Joseph Goebbels

Hamburg - Unter dem Titel "Das Tagebuch der Anne Frank - Tagebücher von Joseph Goebbels - Verfemte Musik" startet die prominente deutsche Schauspielerin Iris Berben am 6. April eine Lese-Tournee, die sie am 18. April auch in das Wiener Ronacher führen wird. In einem Interview mit der Hamburger Illustrierten "Max" sagt die 51-Jährige, dass sie immer wieder von Rechtsradikalen bedroht wird: "Ich lebe mit einem jüdischen Mann zusammen. Wann immer ich etwas gegen den Nationalsozialismus sage, bekomme ich Briefe mit Hakenkreuzen, Bedrohungen und Beschimpfungen."

"Ich werde niemand bekehren können"

"Diese Briefe sind maßlos dumm. Mit den Jungs in Stiefeln wird ein Staat schon fertig", so Berben weiter, "Für viel gefährlicher halte ich, wie unbedacht mittlerweile auch etablierte Menschen über das Thema reden." Auf die Frage, wen sie mit der Lesung erreichen will, sagte die Schauspielerin: "Ich mache mir da keine Illusionen; ich werde niemanden bekehren können."

Lesung nur mit Staatsschutz

Auf die Frage, ob sie sich um Polizeischutz für die Auftritte bemüht habe, sagte Berben: "Ich bin wirklich dagegen, aber bei meiner letzten Lesung aus dem Buch 'Mama, was ist Auschwitz?' war die Aggression in einigen Städten so groß, dass mir gesagt wurde, wenn ich trotzdem auftreten will, müsse der Staatsschutz dabei sein.

Auf ihrer Lesereise trägt sie Tagebucheintragungen des jüdischen Mädchens Anne Frank und des NS-Propagandaministers Joseph Goebbels vor. Sie bemühe sich um größtmögliche Distanz, wenn sie aus dem Tagebuch von Goebbels vorliest: "Es entsteht das Bild eines berechnenden, wehleidigen Despoten, der zu 100 Prozent sicher ist, dass richtig ist, was in Deutschland vor sich ging." (APA/AP)

"Das Tagebuch der Anne Frank - Tagebücher von Joseph Goebbels - Verfemte Musik"
18. April
Wiener Ronacher
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