USA gegen Ausweitung der Friedensmission in Afghanistan

27. März 2002, 15:03
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UNO-Kreise: Rückschlag für Bemühungen Karsais - Türkei entscheidet bald über ISAF-Führungsrolle

New York/Kandahar - Nach Frankreich und der Türkei haben auch die USA eine Ausweitung des Mandats der Afghanistan-Schutztruppe über die Hauptstadt Kabul hinaus abgelehnt. Der amerikanische UNO-Botschafter James Cunningham erklärte am Dienstagabend vor dem Weltsicherheitsrat in New York, die USA würden zwar einer Verlängerung der internationalen Mission um weitere sechs Monate zustimmen, nicht aber einer regionalen Ausdehnung. Die Türkei will bald entscheiden, ob sie die Führungsrolle in der ISAF-Schutztruppe von den Briten übernimmt. Der US-Fernsehsender CNN berichtete am Dienstag, beim Durchkämmen der Berge in der Region Bamian seien möglicherweise führende Taliban- oder El-Kaida-Mitglieder gefasst worden.

Damit haben die Bemühungen des afghanischen Ministerpräsidenten Hamid Karsai um die Entsendung von ISAF-Soldaten in weitere Teile des Landes einen schweren Rückschlag erlitten, wie Beobachter bei den Vereinten Nationen erklärten. Vor den USA hatte am Dienstag bereits Frankreich vor dem Weltsicherheitsrat geltend gemacht, dass die Länder mit den größten Truppenkontingenten in Afghanistan eine regionale Ausweitung nicht wünschten.

Entscheidung der Türkei vermutlich in den nächsten Tagen

Der Weltsicherheitsrat hatte im Dezember zunächst 5.000 Soldaten für sechs Monate nach Kabul entsandt. Die internationale Truppe steht derzeit unter britischem Kommando. Großbritannien will die Führung bis Ende April abgeben; als Nachfolger ist die Türkei im Gespräch. Ministerpräsident Bülent Ecevit kündigte am Mittwoch an, die Türkei werde vermutlich noch in den kommenden Tagen entscheiden, ob sie die Führungsrolle übernimmt.

Deutschland hat der afghanischen Polizei am Mittwoch 40 Polizeifahrzeuge für den Aufbau der Ordnungskräfte übergeben. Wie das Innenministerium mitteilte, wurden neben den allradgetriebenen Polizeibussen auch zwei Instandsetzungslastwagen und ein Ersatzteilpaket zur Pflege und Wartung der Fahrzeuge bereitgestellt. Laut Berliner Innenministerium werden in der Polizeiakademie in Kabul ab Anfang April die ersten Mitarbeiter der afghanischen Polizei durch Beamte aus Deutschland und anderen Ländern geschult.

Demonstration für die Rückkehr des Ex-Königs

Unterdessen demonstrierten in Kandahar tausende Anhänger des früheren afghanischen Königs Mohammad Zahir für dessen umgehende Rückkehr. Nur Zahir Schah könne das Land einigen, erklärten sie. Der im Exil in Italien lebende Ex-Monarch soll im Juni die Loya Jirga (Große Ratsversammlung) leiten, um eine neue Übergangsregierung für Afghanistan zu bestimmen, bevor im Jahr 2004 eine neue Verfassung in Kraft treten und Wahlen angesetzt werden sollen. Zunächst war die Rückkehr des 87-Jährigen für Ende März vorgesehen. Aus Sicherheitsgründen wurde der Termin jedoch auf April verschoben.

Tausende afghanische Flüchtlinge, die auf Inseln im Grenzfluss Pjandsch im Norden des Landes untergekommen waren, sind nach russischen Berichten mittlerweile in ihre Heimat zurückgekehrt. Allein in der vergangenen Woche hätten rund 5.000 Menschen die Inseln verlassen. Die Flüchtlinge waren in den vergangenen Jahren an der tadschikischen Grenze abgewiesen worden und landeten im Niemandsland zwischen den beiden Ländern. Die Grenzregion wird von russischen Soldaten kontrolliert.(APA/AP/dpa)

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