Große Pleite im Hause Blue C

27. März 2002, 14:34
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Deutsche Internet-Tochter insolvent - Blue C-Aktie stürzt um fast 21 Prozent

Wien - Die Pleite seiner deutschen Tochter zwingt den ehemals am Neuen Markt notierten Wiener E-Business-Dienstleisters Blue C Consulting zum Rückzug auf das rein österreichische Geschäft. Wie Blue C am Mittwoch ad hoc mitteilte, musste die Hanauer Tochter Internetdienste.de AG Insolvenz anmelden. Das Unternehmen war erst Mitte September 2001 mit damals 42 Mitarbeitern und 3 Mill. Euro Jahresumsatz zugekauft worden.

Als Grund für die Insolvenz nannte Blue C "akute Liquiditätsmängel auf Grund von nicht einbringlichen Kundenforderungen und die sehr schwierige Marktlage für Internetdienstleistungen" genannt. Erschwerend hinzugekommen sei eine Krankheit des Gründers und Blue C-Vorstands Klaus Uwe Stern, der die gesamte Geschäftsentwicklung in Deutschland verantwortete.

Pleite bricht nicht ab

Am Geregelten Markt in Frankfurt, an dem Blue C-Aktien seit 25. März 2002 nach dem freiwilligen Wechsel vom Neuen Markt gehandelt werden, ist der Aktienkurs heute um fast 21 Prozent auf 19 Euro-Cent eingebrochen. Für die Investoren war das Papier bisher fast ein Totalverlust. Ausgegeben zu einem Emissionskurs von 9,5 Euro hat die Aktie bis dato 98 Prozent an Wert verloren. Das Gastspiel am Neuen Markt lief vom 24. August 2000 bis 22. März 2002.

Blue C ist seit der Firmengründung 1994 mit roten Zahlen konfrontiert. Im Februar hatte das Unternehmen angekündigt, der für das erste Quartal 2002 angepeilte Break-Even werde wegen verzögerter Projektentscheidungen nicht möglich sein. Die Sanierungsmaßnahmen liefen jedoch wie geplant, "so dass ein ausgeglichenes Jahresergebnis erreichbar scheint". Für 2001 liegen noch keine Zahlen vor.

Ausgleich von Engpässen bei Töchtern nicht möglich

Bei Blue C sei die Liquidität "angespannt", sagte Vorstandssprecher Karl Strasser zur APA. "Die Restrukturierung im Vorjahr hat uns viel Geld gekostet." Blue C habe zwar ein positives Eigenkapital und Cash-Bestand, sei derzeit aber nicht in der Lage, "Liquiditätsengpässe bei Töchtern mit einem Darlehen auszugleichen", erklärte Strasser am Mittwoch. Deshalb sei es auch nicht möglich gewesen, der inzwischen zahlungsunfähigen deutschen Tochter Internetdienste.de unter die Arme zu greifen.

Laut Strasser beschäftigt Blue C derzeit ohne diese Tochter 45 (zuvor 65) Leute. "Die Gehälter für April haben wir pünktlich überwiesen", wie der Blue C-Manager betonte. Eine Insolvenzgefahr bestehe aktuell nicht. Im Zuge der Restrukturierung im vergangenen Jahr hat Blue C den durch die New Economy-Krise hart getroffenen Inkubator-Bereich (Erstellen und Verkaufen von Geschäftsmodellen) aufgelöst. Dabei seien 5 bis 6 Länder (unter anderem USA, UK, Frankreich und Spanien) zugesperrt worden, so Strasser. (APA)

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