Widersprüchliche Angaben über Opfer

27. März 2002, 12:45
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Zahlreiche Opfer werden unter den Trümmern vermutet

Nahrin - Im afghanischen Erdbebengebiet haben Freiwillige am Mittwoch die Suche nach Verschütteten fortgesetzt. Die Region wurde in der Nacht von weiteren Nachbeben erschüttert. Über die Zahl der Todesopfer lagen unterdessen widersprüchliche Angaben vor.

Zahlreiche Opfer werden unter den Trümmern vermutet

Während afghanische Regierungsbeamte ursprünglich bis zu 1.800 Tote befürchtet hatten, nannten es Hilfsorganisationen am Mittwoch wahrscheinlicher, dass bei dem Beben der Stärke 6,1 am Montagabend "wenige hundert" Menschen ums Leben kamen.

Allerdings wurden noch zahlreiche Opfer unter den Trümmern der eingestürzten Gebäude vermutet. Eine Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) erklärte, die Organisation schätze die Zahl der Todesopfer auf etwas mehr als 700. Ein Sprecher von Ärzte ohne Grenzen sagte, anders als bei dem schweren Beben 1998, bei dem fast 10.000 Menschen getötet wurden, seien in der Region derzeit genügend Versorgungsgüter vorhanden.

Zentrum in fünf Kilometern Tiefe

Wissenschafter der US-Erdbebenwarte im kalifornischen Golden erklärten, das Beben im Bereich der nordafghanischen Stadt Nahrin habe nicht nur wegen seiner Stärke, sondern vor allem auch deshalb so großen Schaden angerichtet, weil es sich so nahe an der Erdoberfläche ereignet habe. Sein Zentrum habe sich in maximal fünf Kilometern Tiefe befunden, was ein relativ geringer Wert sei. Nach Angaben der örtlichen Behörden stürzten etwa 20.000 Häuser ein, so dass zehntausende Menschen obdachlos wurden.

In Nahrin dauerten die Bergungsarbeiten unterdessen an. Bis zu 700 Freiwillige räumten Trümmer mit Schaufeln beiseite. Am Morgen trafen zahlreiche Lastwagen mit Decken und Zelten ein. Viele Straßen der Region waren jedoch unpassierbar. Zum Transport von Ärzten und Hilfsgütern wurden auch Hubschrauber der afghanischen Armee eingesetzt. Nach Angaben von Regierungssprecher Jusuf Nuristani wollte Ministerpräsident Hamid Karsai die Katastrophenregion am Mittwoch besuchen.

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) organisierte bereits am Dienstagabend Lebensmitteltransporte von Masar-i-Scharif nach Nahrin. Die Ärzte ohne Grenzen entsandten zwei Ärzteteams, das IKRK wollte Erste-Hilfe-Koffer liefern. Zugleich bemühten sich die UN um die Einrichtung einer Luftbrücke in die Katastrophenregion. Hier wurde die internationale Schutztruppe für Afghanistan um ihre Mithilfe gebeten. (APA/AP)

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