Demonstrationen in ganz Italien gegen Terrorismus

27. März 2002, 19:21
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Anti-Terror-Ermittlungen laufen auf Hochtouren

Rom - In ganz Italien haben am Mittwoch Demonstrationen gegen den Terrorismus stattgefunden. Tausende von Personen reagierten auf den Appell der politischen Parteien und der Gewerkschaften zur Mobilisierung gegen die Gewalt als Reaktion auf den Mord an dem Regierungsberater Marco Biagi, der vor einer Woche von einem linksextremistischen Kommando in Bologna erschossen worden war.

An der Demonstration in Rom beteiligten sich auch die Chefs der drei Gewerkschaftsverbände CGIL, CISL und UIL. "Geschlossen werden wir den Terrorismus besiegen", lautete der Slogan der Demonstranten. Die Gewerkschaften kritisierten die Aussagen des italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi, demnach die scharfen Attacken der Arbeitnehmerverbände ein gespanntes Klima genährt habe, das die Terroristen zum Anschlag auf Biagi bewegt hätte.

Der Fackelzug in Rom wurde vom Gewerkschaftschef Sergio Cofferati (CGIL) in Rom geführt. Es handelt sich um die zweite Großkundgebung binnen weniger Tage, an der sich Cofferati beteiligt. Am Samstag hatte er die Massendemonstration der Arbeitnehmerverbände gegen die von der Regierung vorangetriebenen Aufweichung des Kündigungsschutzes angeführt. Nach dem Mord an dem italienischen Regierungsberater Marco Biagi laufen die Anti-Terror-Ermittlungen in Italien auf Hochtouren. Die Ermittler führen ihre Untersuchung in linksextremistischen Untergrundkreisen, die auch für den Mord an dem Arbeitsrechtsexperten Massimo D'Antona im Jahr 1999 verantwortlich gemacht werden. Die Staatsanwälte sind immer fester davon überzeugt, dass eine einzige Gruppe beide Morde verübt hat.

Medienberichten zufolge besteht die Organisation, die für beide Anschläge verantwortlich ist, aus maximal 20 Personen. Mit den eklatanten Morden wollen sie neue Anhänger gewinnen, ist die Ansicht der Ermittler, die die Schutzmaßnahmen für einflussreiche Regierungsberater, Minister und Staatsanwälte deutlich verschärft haben.

Italien beantragt Auslieferung eines Linksextremisten

Die Ermittler überprüfen auch mögliche Verbindungen zwischen dem am 10. März in Zürich verhafteten Linksextremisten Nicola Bortone und neuen Untergrundsorganisationen. Bortone, der sich als "politischer Gefangener" deklariert, hatte in den vergangenen Monaten in Mailand öfters Mitglieder der linksextremistischen Gruppe "Kommunistische Initiative" getroffen, denen Verbindungen zu den Mördern D'Antonas und Biagis vorgeworfen werden. Die italienischen Justizbehörden hatten der Schweiz am Dienstag die Auslieferung Bertones beantragt.

Italien macht inzwischen gegen den Terrorismus mobil. Mittwoch Abend ist in Rom ein Fackelzug gegen jegliche Form von Gewalt geplant. "Geschlossen gegen den Terrorismus" ist das Motto der Initiative, die von Roms Bürgermeister, Walter Veltroni, geführt wird.(APA)

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