Der Frauenanteil in Rechtsberufen

27. März 2002, 12:21
posten

Steter Tropfen höhlt den Stein... oder doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Die aktuelle Ausgabe von "Homepages - Zeitschrift für Rechtsanwender" widmet sich einem heiklen, jedoch im Wandel begriffenen Thema: Frauen in Rechtsberufen.

Frauenanteil unterschiedlich in den einzelnen Berufssparten

Dabei lassen sich in den einzelnen Sparten eklatante Unterschiede erkennen: Das Amt, in dem Frauen mit 10 von österreichweit 447 RechtsvertreterInnen am geringsten vertreten sind, ist das Notariat, in der Berufssparte "JuristInnen und WirtschaftsberaterInnen" sind Juristinnen mit immerhin 6.400 gegenüber 16.300 Männern vertreten. Doch auch hier ist die absolute Zuwachsrate bei männlichen Anwälten noch immer viermal höher als bei den weiblichen Kolleginnen.

Das heißt, es könnte schneller gehen: Brigitte Bierlein, Staatsanwältin, sieht als Grund für den geringen Frauenanteil in Spitzenpositionen die mangelnden Dienstjahre vieler ihrer Kolleginnen. Frauen würden sich außerdem weniger um höhere Positionen bewerben, weil sie tendenziell eher Parteienverkehr, also Kontakt zu Menschen, bevorzugen.

Diese Anschauung wird von Juristinnen, die sich seit Jahren beruflich mit Gleichbehandlungsfragen beschäftigen, relativiert. Von grundsätzlicher Ignoranz gegenüber Fähigkeiten von Kolleginnen bis zur schlichten Unvereinbarkeit von Familie und Spitzenposition reichen ihre Argumente.

Die renommierte Scheidungsanwältin Helene Klaar sieht ein Potential in der steigenden Zahl von Akademikerinnen, die als Klientinnen eher Anwältinnen bevorzugen. Durch diese Entwicklung könnte der Marktwert von Anwältinnen gesteigert werden.

Netzwerke: Mangelware

Auffällig ist das mangelnde Networking unter Juristinnen. Als eine der wenigen Initiativen gibt es den "Verein österreichischer Juristinnen" (VÖJ), der zu frauenspezifischen Rechtsthemen wie Scheidungsreform, Gewaltschutzgesetz, Frauenhandel und Prostition Diskussionen veranstaltet. (red)

Share if you care.