"Die Kirche muss nach innen demokratische Strukturen etablieren"

27. März 2002, 10:46
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Margit Hauft, Katholische Frauenbewegung, in der STANDARD-Serie: "Katholische Kirche wohin?"

"Tue Gutes und rede darüber" ist ein Motto, das Margit Hauft, unter anderem Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs und Vertreterin des Landes Oberösterreich im ORF-Stiftungsrat, auch ihrer Kirche empfiehlt. Der Welserin ist neben den traditionellen spirituellen Aufgaben der Kirche deren soziale Kompetenz und deren Rolle als tragfähiges Netzwerk, unter Umständen auch als Fangnetz für suchende Menschen sehr wichtig. Die Kirche müsse Werte vermitteln und konsequent zu gesellschaftspolitischen Themen, etwa jetzt zu Fragen wie Bioethik, Stellung beziehen. Sie hat das Gefühl, dass soziale Aussagen der Kirche, etwa jene ihres Diözesanbischofs Maximilian Aichern, der auch "Sozialbischof" ist, sehr ernst genommen werden. Das Flaggezeigen nach außen werde einem aber nur dann abgenommen, wenn auch in den eigenen Reihen wenigstens in Ansätzen demokratische Strukturen und die Gleichberechtigung von Mann und Frau realisiert werden.

Drei Gruppen von Frauen in der Kirche

Aber liegt nicht genau darin das Problem der Kirche von heute, dass ihr Frauenfeindlichkeit vorgeworfen wird? Hauft: "Frauen sind der Hauptteil der ausübenden Kirche, wenn man Gottesdienste anschaut. Es gibt drei große Gruppen von Frauen, die sich in der Kirche engagieren. Die einen sagen, im Großen und Ganzen kann ich zufrieden sein. Dann gibt es die, die sagen, ich sehe keinen Fortschritt, ich glaube nicht, dass sich da noch etwas ändern kann, und die dann nicht immer lautstark hinausdampfen, aber oft still und leise die Kirche verlassen. Und die dritte Gruppe sagt: Ich sehe vieles, was im Argen liegt, speziell für uns Frauen, aber ich gehe trotzdem nicht hinaus aus dieser Kirche, sondern ich versuche in dieser Kirche, mit denen, die das Sagen haben, mühsamste Schritte, aber hoffentlich nach vor, zu gehen."

Eine Gruppe könnte den Machthabern gefährlich werden

Diese Gruppe werde von manchen als gefährlich angesehen: "Die, die sich einfach verabschieden, aus Trauer, aus Wut, aus Schmerz, die sind halt nicht mehr da. Die da sind und mitreden wollen, werden als gefährlich erachtet. Von denen, die sich schwer tun mit dem, was Frauen fordern, zum Beispiel Weiheämter für Frauen." Ihr wäre speziell das ständige Diakonat ein dringendes Anliegen, "weil Frauen schon derzeit im diakonalen Dienst unheimlich viel leisten". Beim Weihesakrament gehe es ihr nicht um Prestige oder Magie, sondern um Stärkung für diesen wichtigen Dienst.

Margit Hauft möchte keine Frauenkirche statt einer Männerkirche, auch keine Gleichmacherei, Männer und Frauen seien verschieden. Sie wünscht sich ein neues Verständnis der Weiheämter, und ein Überdenken des Pflichtzölibats.

Heiner Boberski - DER STANDARD, Print-Ausgabe vom27.3.2002

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