Sein nächstes Opfer ist Leo Kirch: Medienmulti Rupert Murdoch.

26. März 2002, 19:51
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Spieler mit weltweitem Familien(be)trieb

Da kommt Rupert Murdoch etwas bekannt vor: "Es war fürchterlich", erinnert sich der international operierende Medienmulti an das Jahr 1991. Seinen Konzern News Corp. brachte eine Bank in Pittsburgh hart an den Bankrott, weil sie sich bei einem Kredit von umgerechnet mehr als 5,8 Millionen Euro quer legte.

Murdochs nunmehriges Opfer Leo Kirch bricht da wohl in schallendes Gelächter aus: Seine Kirch-Gruppe tänzelte erst mit Milliardenverbindlichkeiten über diesen Rand hinaus. Allein Murdoch trägt dazu 1,7 Milliarden Euro bei: So viel droht er im Herbst für den Ausstieg von Kirchs Premiere zu verlangen.

Murdoch und Kirch verbindet mehr als Probleme mit geborgtem Geld. Ihr mit seit zwei Wochen 71 beziehungsweise 75 Jahren fortgeschrittenes Alter etwa. Und ein Platz unter den weltgrößten Medientycoons. Murdoch ist mit Rang fünf naturgemäß der ungleich größere. Über Kirch wurden bisher nur Bücher geschrieben - Murdoch diente immerhin schon als Vorbild für den Bösewicht Elliot Carver im James-Bond-Aufguss "Tomorrow Never Dies".

Doch mit dem Gefühl, dem Tod keine Chance zu geben, ist das da angesprochene Morgen nicht alleine: "Das überzeugte mich von meiner eigenen Unsterblichkeit", tönte Rupert Murdoch vor zwei Jahren, als er seinen Prostatakrebs überwunden hatte. Im November 2001 gebar ihm seine dritte Frau Wendi Deng sein fünftes Kind, Grace.

Trotz gut 15 Milliarden Euro Jahresumsatz und Börsennotierung ist Murdochs News Corp. ein Familienunternehmen: Gattin Wendi managte für Murdoch dessen asiatisches Satellitenfernsehen Star TV, bevor sie seine Frau wurde. Ihre Vorgängerin Anna Murdoch Mann freilich verabschiedete Murdoch bei der Gelegenheit nach 31 Ehejahren nicht nur von Tisch und Bett, sondern auch gleich von ihrem Direktoriumsposten bei der News Corp.

Ihre drei gemeinsamen Kin- der indes sind im Konzern tätig, das Betätigungsfeld von Lachlan (30) wurde innerhalb des Konzerns gerade um die Fernsehaktivitäten in den USA mit dem Network Fox erweitert. Der älteste Sohn gilt als potenzieller Nachfolger, auch wenn der Vater keine Amtsmüdigkeit zeigt.

Politisch ist Murdoch flexibel - der konservative Gottseibeiuns britischer Gewerkschaften arrangiert sich zwecks Geschäft mit der chinesischen Staatsmacht ebenso wie mit dem britischen Labour-Premier Tony Blair, dessen Wahl er mit seinen Boulevardblättern wie der Sun unterstützte. Sein Opfer Kirch ist da merklich unflexibler.

Was die beiden Herren aber wiederum verbindet, ist ihre wichtigste Passion, ohne die sie so weit nicht gekommen wären. Sie sind vor allem anderen erst einmal Spieler. Die Partie geht ganz offensichtlich nicht an Kirch. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 27. März 2002)

Von Harald Fidler
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    foto: der standard
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