Krankenkassen: Leistungen harmonisieren

26. März 2002, 18:56
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Ein Kommentar von Lisa Nimmervoll

Brillenkauf nach der Verschreibung durch den Augenarzt: Der Optiker rechnet den Anteil aus, den die Krankenkasse dazuzahlt. Überraschung: Die Versicherte A bekommt von ihrer Kasse läppische 4,50 Euro, Versicherte B 150 Euro - also mehr als 33-mal so viel. Wie das? A ist bei der Wiener Gebietskrankenkasse versichert. B ist mitversichert in der Krankenfürsorge für oberösterreichische Landesbeamte. Drängt sich also die Frage auf: Ist die Kurzsichtigkeit einer Beamtenfrau dreiunddreißigmal teurer als die einer Privatangestellten? Wäre A bei der Gebietskrankenkasse Oberösterreich versichert, würde sie immerhin etwas mehr als 4,50 Euro dazubekommen.

Nicht so sehr die Anzahl der Kassenträger ist offensichtlich das Problem, das sind die unterschiedlichen Leistungskataloge der jeweiligen Versicherungsanstalt. Leistungsunterschiede sind in unserem Gesundheitssystem längst gang und gäbe. Sie sind aber im Grunde die einzige Möglichkeit, mit der die selbstverwalteten Krankenkassen auf ihre spezifische Versichertenstruktur reagieren können. Wer etwa viele alte Versicherte hat, wird mehr Geld für Rollstühle brauchen. Denn auf die Einnahmen haben die Kassen keinen Einfluss, die Versicherungsbeiträge werden von der Regierung festgelegt - und seit Jahren nicht angehoben. Genau das ist der Knackpunkt.

Vorrangig ist daher nicht so sehr die Fusion von einzelnen Sozialversicherungsträgern, sondern die Sanierung auf der Einnahmenseite. Denn was nützt die Selbstverwaltung, wenn alle Krankenkassen zusammengeworfen werden, aber trotzdem nicht mehr Geld da ist und zu allem Überfluss weiterhin unterschiedliche Leistungskataloge bestehen? Über kurz oder lang werden die Einnahmen der Kassen erhöht werden müssen. Dann hätte die Selbstverwaltung zumindest genug Geld, um einheitliche Leistungen für alle Versicherten finanzieren zu können. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 27. 3. 2002)

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