Oberösterreich: Betrug mit angezapften Telefonen weitet sich aus

26. März 2002, 21:01
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Telekom bestritt technische Möglichkeit

Linz/Wien - Ein Betrüger hat über ein Jahr lang private Telefonleitungen angezapft und die Sexhotline seiner Freundin angerufen. Laut Exekutive könnten es bis zu 150 Geschädigte geben. Die Telekom hatte den Betroffenen erklärt, die Manipulation sei "technisch nicht machbar".

Seit Jänner 2001 hatte ein 26-jähriger Arbeitsloser in Oberösterreich und Salzburg immer wieder Großverteilerkästen der Telekom mit einem Nachschlüssel geöffnet und wahllos an Leitungen ein Telefon angehängt, mit dem er die von seiner 21-jährigen Freundin betriebene 0900-Nummer anrief. Aufgeflogen ist der Fall erst, als eine 82-jährige Pensionistin mit ihrer überhöhten Telefonrechnung zur Gendarmerie ging und diese das Pärchen ausforschte.

Laut Alois Lißl von der oberösterreichischen Sicherheitsdirektion (SID) haben sich bis Anfang der Woche rund 150 mögliche Betroffene gemeldet, der Schaden dürfte deutlich über 100.000 Euro liegen. Gemein ist vielen Geschädigten, dass ihre Rechnungseinsprüche bei der Telekom mit der Begründung abgewiesen wurden, es konnte "keine Manipulation festgestellt werden und sei auch technisch nicht möglich".

Für Sigrid Bachinger, Pressesprecherin der Telekom, handelt es sich bei dem Vorfall um einen "bedauerlichen Einzelfall." Sie widerspricht den SID-Zahlen. "Bisher haben wir 24 Geschädigte und 4300 Euro Schaden." Auch die Aussage Lißls, dass die Großverteilerkästen leicht zu öffnen gewesen wären, dementiert sie. "Diese sind mit Zylinderschlössern abgesichert, neue werden zusätzlich mit Magnetschlössern ausgestattet."

Warum die Telekom aber behaupten konnte, die Manipulation sei technisch nicht machbar, kann Bachinger nicht schlüssig erklären. Einen Interessenkonflikt - die Telekom kassiert an den Mehrwertnummern mit und ist gleichzeitig für Reklamationen zuständig - erkennt sie nicht. "Es steht den Kunden frei, den Rechtsweg zu beschreiten und Sachverständige zuzuziehen, falls er mit unserer Entscheidung nicht einverstanden ist." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.3.2002, moe)

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