Neuer Anlauf für den Gürtel

26. März 2002, 22:09
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Nach Abschluss der EU-Förderungen startet die Stadt Wien ein eigenes Folgeprojekt

Wien - Die "Ruhepause" am Wiener Gürtel nach Abschluss des Eu-Förderprogrammes soll bald zu Ende sein: Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SP) startet ein Folgeprojekt, das die Sanierung und Umgestaltung rund um das Verkehrsband wieder aufnehmen soll: "Es ist wichtig, dass es nach dem ,Gürtel plus'-Programm ein entscheidendes Signal gibt, dass es weiter geht. Die Entwicklung soll in Schwung gehalten werden", so Schicker am Montagabend.

Wobei diesmal nicht nur der Westgürtel, sondern der ganze Verlauf dieser Verkehrsader einbezogen werden soll: Vom Stadtentwicklungsprojekt "Eurogate" auf den Aspang Gründen über die Pläne für den neuen Bahnhof Wien - samt einem Entwicklungsgebiet im Bereich Südbahnhof bis hin zur Spittelau. "Ein gewaltiges Potenzial, entlang des Gürtels leben rund 95.000 Einwohner und etwa 50.000 Arbeiternehmen sind in 5000 Betrieben beschäftigt", erläutert Klaus Vatter, Leiter der zuständigen Abteilung für Stadtteilplanung.

Zu den neuen Leitlinien wird auch ein neues Gürtelmanagement im Magistrat installiert. Eine Startveranstaltung für diese Gürtelinitiative soll Anfang Juni mitsamt einer ersten größeren Postwurfsendung über die Bühne gehen.

Wobei aber die "Managementpower" im Magistrat laut Schicker finanziell eher schlank dotiert werden soll: "Es wird in erster Linie Mittel für Öffentlichkeitsarbeit geben", mit der eine "Mobilisierung der vorhandenen Potenz" initiiert werden soll. Oder, anders gesagt: Es sollen "Anreize geschaffen werden, um eine Entwicklungsdynamik im privatwirtschaftlichen Bereich auszulösen".

Gleichzeitig sollten aber auch soziale und kulturelle Initiativen weiter gefördert werden, stellte Schicker in Aussicht - wobei aber für die Umsetzung der Projekte in erster Linie die Bezirksbudgets heranzuziehen wären.

Neuer Brunnenmarkt

Als erste konkrete Projekte, die abseits von Privatinvestitionen stattfinden könnten, nannte der Planungsstadtrat etwa die Umgestaltung des Brunnenmarktes. Dabei gehe es beispielsweise um ein neues Design für die Marktstände - es werde aber auch überlegt, die Brunnengasse gleich ganz in eine Fußgängerzone umzufunktionieren.

Weiters könnte etwa die Grünfläche bei der U-Bahnstation Margaretengürtel für Freizeitnutzungen adaptiert werden - vorher müsse allerdings die Altlast des früher dort angesiedelten Gaswerkes saniert werden.

Vorerst aber steht die Suche nach Privatinvestoren im Vordergrund. Etwa beim Projekt Hernalser Hof, das Schicker Montagabend präsentierte: Die Flächenwidmung für den 40 Meter hohen vom Architekten Duniecky geplanten Neubau geht am 4. April in die öffentliche Auflage.

Aber noch ist unklar, ob dieses Vorhaben tatsächlich realisiert wird: "Wir sind hart an der Grenze der Wirtschaftlichkeit", heißt es seitens des Grundstückseigentümers Helios Immobilien. "Die wirtschaftliche Situation ist ja derzeit nicht so, dass man uns die Tür einrennt." Daher werden noch potenzielle Nutzer gesucht - und dann wird erst entschieden, was tatsächlich in den Neubau hinein kommt: Büros oder ein Hotel.

"Man kann nur hoffen, dass das Projekt jetzt endlich umgesetzt wird", meint Bezirksvorsteherin Ilse Pfeffer. Und Schicker: "Jetzt ist zumindest einmal der Vorwurf weg, dass die Stadt nichts tut und das Projekt nur verhindert." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.3.2002, frei)

Das Folgeprojekt gilt diesmal für das gesamte Verkehrsband. Wobei vor allem auf die Mobilisierung von Privatinvestoren gehofft wird. Wie beim Neubau des Hernalser Hofes.
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