Anwältin will "politisches Asyl" für Hund

26. März 2002, 21:21
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Rechtsnormen sorgen in Frankreich für Aufregung

Paris - Skurrile Rechtsmaßnahmen um das Leben einer Rottweilerhündin sorgen in Ostfrankreich für Aufregung. Die Präfektur Metz hatte die Einschläferung der 13 Monate alten Kaya verordnet, da die Hündin in Sarrebourg frei umhergelaufen war. Für "potenziell gefährliche" Kampfhunde gilt in Frankreich Leinen- und Maulkorbpflicht.

Daraufhin legte die Anwältin Nadia Weiler-Strauss zunächst "im Namen Fräulein Kayas" Beschwerde beim Verwaltungsgericht in Straßburg ein. Dieses verwies darauf, dass ein Hund vor dem Gesetz eine Sache und keine Person sei, und wies als nicht zuständige Stelle den Fall ab.

"Gnadengesuch"

Weiler-Strauss wandte sich prompt an den französischen Staatschef Jacques Chirac. Wie "jeder zum Tode Verurteilte" habe Kaya das Recht, den Staatschef um Gnade zu bitten, schrieb sie in einem offenen Brief an den Präsidenten. Am Montag verkündete die Anwältin, sie werde "symbolisch politisches Asyl" für die Vierbeinerin beantragen; das internationale Recht sehe ja politisches Asyl für jeden vor, der "wegen seiner Rasse oder Religion" verfolgt werde.

Damit erreichte die Anwältin, dass sich Leute aus dem Ausland meldeten, die Kaya adoptieren wollen. Der Besitzer der Hündin, ein 19-Jähriger, sei bereit, "Kaya" in ein "sicheres Land" ausreisen zu lassen. Dazu solle die Präfektur nun das "Todesurteil" aufheben und die "Abschiebung" Kayas veranlassen.

Wie die Behörde darauf reagieren könnte, ist noch unklar. Eine Beamtin sagte nur: "Bisher haben wir noch nie einen Hund abgeschoben." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.3.2002, AFP)

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