Kunden-Exodus bei Andersen

26. März 2002, 16:24
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Nach Enron-Skandal: Bereits 45 Großkunden zur Konkurrenz übergelaufen

Wien - Die Kundenliste der durch den Enron-Skandal angeschlagene Wirtschaftsprüfungsfirma Arthur Andersen wird von Tag zu Tag kürzer. Von Jahresbeginn bis vergangen Montaq sind dem Unternehmen, das sich wegen der Vernichtung von zahlreichen Dokumenten in Zusammenhang mit der Buchprüfung des Energiekonzerns Enron auch einer Anklage der US-Justizbehörde wegen Justizbehinderung gegenüber sieht, bereits 45 börsenotierte Großkunden davon gelaufen.

Zu den zahlreichen zur Konkurrenz übergelaufenen Kunden zählen seit neuesten auch der Enron-Rivale Dynegy und der Pharmariese Wyseth, der früher unter American Home Products (AHP) firmierte, berichtet das Forbes-Magazine. Viele zweifeln außerdem das Überleben der Wirtschaftsberatungs- und Steuerprüfungsfirma an.

Langjährige Beziehung aufgelöst

Einige der Kunden, die Forbes auflistet und die jetzt auf die Dienste von Andersen verzichtet haben, wurden seit über 50 Jahren betreut, wie Vectren, eine Strom- und Gasversorgungsgruppe, die 83 Jahren lang Andersen-Kunde war und den Vertrag mit noch unbekanntem Ziel am 22. März auflöste. ITT Industries, ein weiterer langjähriger Kunde, der 75 Jahr lang die Treue gehalten hatte, verließ Andersen am selben Tag in Richtung Deloitte & Touche. Schiffsbauer Brunswick war 60 Jahr lang Kunde des Beratungskonzerns. Neuer Berater seit 15. März ist Ernst & Young. Ebenfalls 60 Jahre lang griff Sun Trust Banks auf die Dienste von Andersen zurück und wechselte bereits am 12. Februar zu PricewaterhouseCoopers. 52 Jahr waren die Delta Air Lines bei Andersen unter Vertrag. Am 7. März wurde der Vertrag gekündigt und zu Deloitte & Touche gewechselt.

Ernst & Young Gewinner

Die meisten Kunden verlor Andersen bisher an Ernst & Young (12) und PricewaterhouseCoopers (11). Acht gingen zu KPMG und sechs wechselten zu Deloitte & Touche. Die restlichen Großkunden liefen zu anderen Beratungsfirmen über oder wollten die neue Firma erst bekannt geben.

Andersen hatte die Buchführung von Enron jahrelang geprüft und abgesegnet. Die Firma hatte Schulden in dreistelliger Millionenhöhe in dubiosen Partnerschaften versteckt. Enron beantragte im Dezember Gläubigerschutz und ist in die größte Firmenpleite der US-Geschichte verwickelt. (APA)

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