Deutsches Heereskontingent bei SFOR wird verkleinert

26. März 2002, 16:04
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Scharping in Sarajewo - Suche nach Karadzic fortgesetzt - Hinweise auf Verbindungen zu Terrororganisationen

Sarajevo/Prizren - Das deutsche Heereskontingent der SFOR-Truppen in Bosnien-Herzegowina soll bis Ende Mai um 133 auf 1614 Soldaten verringert werden. Vor allem die Zahl der Führungs- und Unterstützungskräfte werde mit dem Kontingentwechsel Ende Mai reduziert, kündigte der Kommandant der deutschen Soldaten in der Stabilisierungstruppe SFOR für Bosnien, Oberst Armin Staigis, am Dienstag bei einem Besuch des deutschen Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) im Feldlager Rajlovac bei Sarajewo an. Scharping hat seit Montag die Bundeswehr-Truppen in Mazedonien, im Kosovo und in Bosnien-Herzegowina besucht.

Bereits am Wochenende hatte der Minister in einem Zeitungsinterview angekündigt, das militärische Engagement Deutschlands auf dem Balkan noch in diesem Jahr zu reduzieren. Im Kosovo sind rund 4.700, in Bosnien-Herzegowina 1.700 und in Mazedonien rund 600 deutsche Soldaten stationiert. Auftrag der Truppen ist es, einen dauerhaften Frieden in der Region zu sichern und die Rückkehr der Kriegsflüchtlinge zu ermöglichen.

Entwaffnung noch nicht abgeschlossen

Laut Staigis ist das Maß an organisierter Kriminalität und Korruption in Bosnien-Herzegowina weiter hoch. Auch die Entwaffnung der Zivilbevölkerung sei noch nicht abgeschlossen: "Es macht uns Sorge, dass sich in Privathänden noch sehr, sehr viele Waffen befinden." Die SFOR-Truppen stießen immer wieder auf illegale Waffen- und Munitionslager. Auch die Spannungen zwischen serbischen und muslimischen Einwohnern hielten an. "Die politischen Hardliner in der Region gewinnen wieder mehr an Gewicht", warnte Staigis.

Nach Angaben von Staigis gehen auch die Ende Februar/Anfang März zunächst gescheiterten Bemühungen zur Festnahme des als Kriegsverbrecher gesuchten Serben-Führers Radovan Karadzic weiter. SFOR werde im Rahmen des Möglichen alles tun, um Karadzic und seinen Armeechef Ratko Mladic zu fassen, sagte er. Aber auch derartige Zugriffoperationen könnten die Lage zumindest zeitweise verschärfen. Zudem stünden einflussreiche religiöse Führer in Bosnien einer multi-ethnischen Entwicklung entgegen. Sozialer Unfrieden schließlich könne von der desolaten wirtschaftlichen Situation des Landes ausgehen.

Als Risikofaktoren bei dem Einsatz nannte der Oberst politische Hardliner vor allem unter den Serben sowie Korruption und organisierte Kriminalität. Man habe Hinweise auf noch vorhandene große geheime Waffenlager. Eine weitere Gefahr stelle der Terrorismus dar: Es gebe Indizien für Verbindungen zu Terrororganisationen unter anderem unter Nutzung islamischer Hilfsorganisationen. Erste Festnahmen und Überstellungen an die US-Armee habe es bereits gegeben. Wegen der gespannten Lage darf laut Staigis derzeit kein Soldat des Lager Rajlovac ohne dienstlichen Auftrag verlassen. Außerdem muss sich jeder, der das Lager dienstlich verlässt, unter Angabe von Weg und Ziel registrieren lassen, damit Patrouillen im Ernstfall sofort wissen, wo sie die Gefährdeten zu suchen haben.(APA/Reuters/AP)

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