Zeitung: USA ersuchen um die Nutzung türkischer Stützpunkte

27. März 2002, 14:28
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Nach Abfuhr für Cheney in Ankara - Spekulationen über möglichen Irak-Angriff

Istanbul - Die USA haben die türkische Regierung einem Zeitungsbericht zufolge um die Nutzung weiterer Luftwaffenstützpunkte in der Türkei gebeten und damit die Spekulationen über einen möglichen Militärschlag gegen den Irak weiter angeheizt. Die Anfrage betreffe die Stützpunkte Erhac bei Malatya und Pirinclik bei Diyarbakir, berichtete die Zeitung "Zaman" am Dienstag. Derzeit nutzen die US-Militärs bereits die Lutwaffenbasis Incirlik in der Nähe von Adana, vor allem auch für Kontrollflüge über den Kurden-Gebieten im Irak.

Die Basen Erhac, Pirinclik und Incirlik liegen im Süden und Südosten der Türkei, der Irak wäre von diesen Luftwaffenbasen aus für Kampfjets in kurzer Zeit erreichbar. Vom Stützpunkt Incirlik aus überwachen britische und US-Kampfflugzeuge seit dem Golf-Krieg das Flugverbot über dem Norden des Irak.

Zweck der US-Anträge unbekannt

Laut "Zaman" ging aus den Anträgen der USA für die Nutzung von Erhac und Pirinclik nicht hervor, für welchen Zweck die Stützpunkte gebraucht werden. Die Zeitung stellte aber einen Zusammenhang zu einer möglichen US-Militäraktion gegen das Regime von Saddam Hussein her. Zudem haben die USA dem Zeitungsbericht zufolge im westtürkischen Eskisehir mit dem Aufbau eines Luftwaffen-Kommandozentrums begonnen. Von Eskisehir aus könne der gesamte Luftraum von Spanien im Westen bis nach China im Osten kontrolliert werden, meldete das Blatt.

Die Amerikaner müssten sich im Falle eines Angriffs auf den Irak, den die Türkei ebenso ablehnt wie die gesamte arabische Welt, eine Zustimmung Ankaras wohl sehr teuer erkaufen. Der Besuch von US-Vizepräsident Dick Cheney in der Türkei hatte vergangene Woche mit einem Eklat geendet. Cheney ließ eine Pressekonferenz in Ankara absagen, nachdem der Premier Bülent Ecevit die Zusage Washingtons verkündet hatte, in nächster Zeit keine Militäraktion gegen den Irak zu planen. Cheney stellte dies in Abrede. Entgegen allen Gepflogenheiten sprach er nach dem Gespräch mit Ecevit direkt beim türkischen Generalstabschef Hüseyin Kivrikoglu vor, der ihm aber eine Abfuhr erteilte. Bei ihm sei Cheney an der falschen Adresse, so der oberste Militärchef.

Cheneys Versuch, Ankara für ein härteres Vorgehen gegen Bagdad zu gewinnen, war nach Angaben türkischer Regierungskreise somit gescheitert. Überdies brauchen die USA die Türkei auch in Afghanistan: die Türkei soll dort die Führung der internationalen ISAF-Schutztruppe von den Briten übernehmen. Cheney hat der Türkei knapp 230 Millionen Dollar Finanzhilfe für die ISAF-Führung zugesagt und versichert, dass das ISAF-Mandatsgebiet auf die Hauptstadt Kabul beschränkt bleiben soll. Zuvor war er in allen arabischen Staaten, die er auf seiner Tour besucht hatte, auf einhellige Ablehnung einer Militäraktion gegen den Irak gestoßen. Die USA wurden aufgefordert, ihre Aufmerksamkeit vielmehr auf eine Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts zu konzentrieren.(APA)

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