Funktion und Nutzlosigkeit

26. März 2002, 14:35
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"The Hydraulic Door Check": Arbeiten von Richard Artschwager im MAK

Wien - Einem der einflussreichsten Künstler der Gegenwart widmet das Museum für Angewandte Kunst (MAK) in Wien eine große Ausstellung: "The Hydraulic Door Check" vereinigt in der MAK-Ausstellungshalle über 50 Werke des sich jeder simplen Kategorisierung entziehenden amerikanischen Künstlers Richard Artschwager. Die Schau illustriert das in rund vierzig Jahren entstandene Oeuvre Artschwagers, der in seiner Arbeit "immer verstanden hat, Distanz zum herrschenden Kunstbetrieb herzustellen", so MAK-Direktor Peter Noever.

Den Höhepunkt der in Zusammenarbeit mit dem Neuen Museum in Nürnberg und der Serpentine Gallery in London (wo die Objekte schon zu sehen waren) organisierten Schau markiert das eigens für die Ausstellung im MAK nach einem Entwurf von 1989/90 angefertigte Objekt "Haltestelle". Konzeptkunst, New Sculpture, Pop Art, Minimal Art - Artschwager untergräbt die vertrauten Kategorisierungen, seine charakteristischen Resopal-Möbel (Kuben, die durch Farbauftragung Tische, Sessel und vielerlei mehr darstellen) siedeln zwischen Objekt und Malerei, zwischen Möbel und Skulptur. Von den möbelähnlichen Arbeiten der 60er über die so genannten "blps" (kapselförmige Markierungen, die einen Schnittpunkt der mobilen Koordinaten von Denken und Wahrnehmung markieren) bis zu den Kisten (crates) der neunziger Jahre wird Artschwagers Schaffen in der von Daniela Zyman kuratierten Schau durch Objekte aus internationalen Sammlungen überblickt.

Gebrauch und Betrachtung

Artschwagers vielfältige Arbeiten, die den Unterschied zwischen Funktion und Nutzlosigkeit, zwischen Gebrauch und Betrachtung verhandeln, bilden "Anleitungen, in denen der Intellekt sich selbst erfährt", so Noever. "Man soll nicht zu fleißig nach der Bedeutung meiner Arbeit suchen", zitierte Noever den ebenfalls anwesenden Artschwager, sondern die Objekte "zu sich sprechen lassen". Die Objekte sind auf den Menschen ausgerichtet, sie sprechen zu ihm über die "ungemerkten Bewegungen" des Alltags, schilderte Artschwager selbst anhand des Objekts "Up and Down" mit seinen Treppenstufen, die zu einer "eigentlich" begehbaren Platte ("wenn man sich traut - ich trau mich nicht", so Artschwager) führen.

Das Objekt "sagt 'schau mich an', 'steig drauf'", erklärte der am 26. Dezember 1923 als Sohn eines ostpreußischen Botanikers und einer ukrainischen Künstlerin in Washington D. C. geborene Artschwager, der eine "besondere Beziehung" zu Wien hegt, wo er sich nach dem Zweiten Weltkrieg nicht als Besatzungssoldat, sondern als "Befreiungshelfer" (wie er gegenüber Noever betonte) aufhielt. Die Besucher sollen sich nicht durch allzu viel theoretischen Überbau beeinflussen lassen: "Am liebsten wäre mir, man hört niemandem zu außer sich selbst", so Artschwager, bevor er sich mit den Worten "schon wieder zu viel darüber nachgedacht" dem nächsten Objekt zuwandte. (APA)

"Richard Artschwager: The Hydraulic Door Check. Skulptur, Malerei, Zeichnung", im MAK, Ausstellungshalle. 27. 3. bis 16. 6. Öffnungszeiten: Di 10 bis 24 Uhr, Mi bis So 10 bis 18 Uhr. Eintritt: 6,60 Euro (ermäßigt: 3,30 Euro), Samstag frei. Im Internet: www.mak.at
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