USA wollen bei Galileo-Aufbau mitreden

28. März 2002, 12:02
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Kaum verhohlene Ablehnung des europäischen Satelliten- Navigationssystems

Washington/Brüssel - Der EU-Beschluss zur Errichtung eines eigenen Satellitennavigationssystems, Galileo, stößt in den USA auf kaum verhohlene Ablehnung. Die USA, die das bestehende GPS (Global Positioning System) unter militärischer Obhut betreiben, haben die EU zur Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Galileo aufgefordert.

Es müsse sicher gestellt werden, dass Galileo und GPS "aufeinander abgestimmt und kompatibel" seien, erklärte der Sprecher des US-Außenamts Richard Boucher in einer Reaktion auf den EU-Beschluss. Die US-Regierung werde sich "gegen Regulierungen oder Standards wehren, die zur alleinigen Verwendung des europäischen Systems führen könnten".

Die Bedenken der USA, die mit dem für 2008 geplanten Galileo-System ihre Monopolstellung bei Geodaten verlieren, sind nicht neu. Schon Ende 2001 hatte der stellvertretende Verteidigungsminister Paul Wolfowitz davor gewarnt, dass es durch Überlagerung von Signalen zur Beeinträchtigung der militärischen GPS-Signale kommen könne. Im US-Außenministerium wird argumentiert, dass die bestehenden 24 GPS-Satelliten den Markt adäquat abdecken würden, zitiert das Wall Street Journal einen ranghohen Beamten.

Demgegenüber verteidigte EU-Kommissionspräsident Romano Prodi die Entscheidung als "eine dringend benötigte und gesunde Konkurrenz im Bereich der Satellitennavigation". "Wir suchen keine Konfrontation mit den USA. Hier geht es um die Eigenständigkeit Europas."

Die Auseinandersetzung hat handfeste finanzielle Hintergründe: Der Markt für Positionsdaten wird für 2010 auf 10 Mrd. Euro geschätzt. Die EU steht dabei unter Zeitdruck: Wenn der erste Galileo-Satellit nicht bis 2006 in Betrieb geht, verliert sie die Rechte auf die vorgesehenen Funkfrequenzen zuerst an China, dann an die USA. (spu, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28. 3. 2002)

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