Niedrigere Unternehmenssteuern bringen kaum mehr Investitionen

26. März 2002, 13:33
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Wifo-Studie: Maßnahmen zur Förderung der Innovationskraft wichtiger

Wien - Niedrigere Unternehmenssteuern haben zwar einen positiven Einfluss auf Wettbewerbsfähigkeit und Investitionen, sie sind jedoch bei weitem nicht der wichtigste Faktor dafür. Nach einer soeben vorgestellten Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) ist "kaum davon auszugehen, dass eine Steuerreform nach deutschem Vorbild zu wesentlichen Investitionsimpulsen in Österreich führen würde". "Vordringlicher" als niedrigere Unternehmenssteuern seien "Maßnahmen zur Förderung der Innovationskraft und der technologischen Basis der Unternehmen", dies sei "für Wachstum und Beschäftigungsentwicklung, zumindest aus langfristiger Sicht, der entscheidendere Faktor", diagnostiziert ein Autorenteam um den Wifo-Industrieexperten Karl Aiginger.

Ausgangspunkt der Überlegungen der Wirtschaftsforscher, deren Erkenntnisse im jüngsten Monatsbericht vorgestellt sind, ist die bevorstehende EU-Erweiterung, die für die heimische Volkswirtschaft große Veränderungen bringen wird: Wegen der Umverteilung der EU-Subventionen in die Beitrittsländer werden österreichische Betriebe weniger stark gefördert, der Anreiz für Investoren, sich in den Reformländern statt in Österreich zu engagieren wird größer. Gleichzeitig, unterstreicht etwa die Wirtschaftskammer immer wieder, würden in den westeuropäischen Nachbarländern die Unternehmenssteuern gesenkt. Deutschland habe etwa durch die Steuerreform auch seine Standortposition gegenüber Österreich gestärkt. Deshalb fordert die Wirtschaft neben der Reduzierung der Lohnnebenkosten auch eine Senkung des Körperschaftssteuersatzes von 34 auf 25 Prozent.

"Qualitätsstrategie für den Standort"

Das Wifo kalkuliert nun in einem Rechenmodell, dass die veränderte Subventionslandschaft nach der EU-Erweiterung zu einem Rückgang der Investitionen in Österreich um jährlich 0,3 Prozent führen würde. Würde Österreich seine Unternehmenssteuern im selben Ausmaß reduzieren wie zuletzt Deutschland würden die Inlandsinvestitionen um etwa 1 Prozent jährlich steigen. Zum Vergleich: die Standardabweichung bei den österreichischen Ausrüstungsinvestitionen hat in der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre pro Jahr rund 6 Prozent betragen. "Die Auswirkungen einer Steuerreform nach deutschem Muster und jene des Wegfalls der EU-Fördermittel auf die Kapitalnutzungskosten und die Investitionen können als relativ bescheiden eingestuft werden" , heißt es in der Analyse.

Langfristig gesehen sollten die "Maßnahmen auf der Kostenseite einer Qualitätsstrategie für den Standort untergeordnet sein", meinte Wifo-Experte Robert Wieser, einer der Studienautoren, auf Anfrage der APA. Die Senkung der Arbeitskosten und Steuern sei zwar "kurzfristig wichtig", könne aber durchaus auch wirtschaftlich "kontraproduktive Effekte" haben. Als langfristige wirtschaftspolitische Strategie befürwortet das Autorenteam etwa Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit mit dem strategischen Ziel, "die Produktion aus dem Sektor mit intensivem Preiswettbewerb in ein Segment mit stärkerer Qualitätskonkurrenz zu verlagern". Dazu gehören für die Autoren so unterschiedliche Dinge wie Investitionen in die Ausbildung und in F&E, die "Aktivierung des Kapitalmarkts", aber auch die steuerliche Besserstellung nicht entnommener Unternehmensgewinne.(APA)

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