Görg: Wiener ÖVP für Abschaffung von Paragraf 209

26. März 2002, 14:19
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Noch-VP-Chef im Falter: Mit 12 Jahren angesetztes Schutzalter des Vatikanstaats brachte Volkspartei zum Umdenken

Wien - In der Wiener ÖVP zeichnet sich eine Meinungsänderung zum umstrittenen Homosexuellen-Paragrafen 209 ab. Laut dem scheidenden Landesparteichef Bernhard Görg hat sich eine parteiinterne Arbeitsgruppe für die Abschaffung der Bestimmung, die die Beziehungen Erwachsener mit Jugendlichen unter 18 Jahren unter Strafe stellt, ausgesprochen. Ein "sensationelles Ergebnis", wie Görg in einem Interview mit der am Mittwoch erscheinenden Ausgabe der Wiener Stadtzeitung "Falter" betonte.

Beschlossen ist die neue Position allerdings noch nicht: Das Thema hätte laut Görg im im letzten Parteivorstand zur Sprache kommen sollen, dann sei aber Görgs Rücktritt das Thema der Sitzung gewesen. Trotzdem gab sich der VP-Chef zufrieden: "Ich rechne es meinen so genannten konservativen Parteifreunden hoch an, dass sie ihre Meinung - sine ira et studio - geändert haben."

Mit Moldavien und Albanien vergleichbar

Görg: "Die Arbeitsgruppe hat herausgefunden und sich davon auch beeindrucken lassen, dass es zum Beispiel im Vatikanstaat ein einheitliches Schutzalter von 12 Jahren gibt." Österreich sei in der Frage des Schutzalters nur mehr mit Moldavien oder Albanien vergleichbar. Görg selbst und der VP-Rathausklub hatten sich bereits im Vorjahr für die Abschaffung des Paragrafen ausgesprochen.

"Nicht fesch genug"

Wenig zuversichtlich äußerte sich Görg zur Zukunft der Wiener Landespartei. Die Wiener VP sei für junge Wähler wahrscheinlich "nicht fesch und trendig genug". Allerdings: "Es reicht nicht, wenn sich die Wiener ÖVP offener darstellt. Denn sie wird medial von der Bundespartei überschattet, die keinen besonders urbanen Eindruck macht."

Der Kommission, die nun einen Nachfolger für den Posten des Wiener VP-Chefs suchen soll und in der auch Bezirks- und Bündevertreter mitentscheiden sollen, attestierte Görg Machtlosigkeit: "Die Entscheidung wird doch ganz woanders gefällt. Die Kommission, das ist nur Folklore."

Um seine Meinung von den "Umstürzlern" unter den Bezirkschefs deutlich zu machen, berief sich Görg auf Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V). Nachdem die Bezirksoberhäupter vor Jahren wegen Görg vorgesprochen hatten, habe Schüssel zu einem gemeinsamen Bekannten gesagt: "Ich bin manchmal auch nicht glücklich über den Bernhard, aber wenn ich mir diese Vollkoffer anschaue, dann muss ich ihn voll und ganz unterstützen." (APA)

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