Wettbewerb im öffentlichen Personenverkehr spart Kosten

27. März 2002, 19:34
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Wifo: Einsparungen bis zu 50 Prozent möglich

Wien - Gegenüber dem motorisierten Individualverkehr verlor der Öffentliche Personennah- und Regionalverkehr (ÖPNRV) in Österreich in den letzten Jahren stetig Marktanteile, stellt das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) in seinem Monatsbericht April fest. Eine qualitative Untersuchung unter europäischen Verbrauchern ergab, dass der ÖPNRV die geringste Kundenzufriedenheit unter allen untersuchten Infrastruktursektoren (darunter auch Elektrizität, Telekommunikation, Flugverkehr) aufweist, kritisiert das Wifo.

Der mangelnde Wettbewerb könne eine der Ursachen für die geringe Attraktivität des ÖPNRV sein, geht aus dem Wifo-Bericht hervor. Erfahrungen aus Großbritannien, Schweden, Dänemark und Frankreich zeigten, dass mittels Ausschreibungswettbewerb ("kontrollierter Wettbewerb") eine höhere Nachfrage bei geringeren Kosten erzielt werde. Über längere Beobachtungszeiträume könnten Einsparungen von 14 bis 50 Prozent erreicht werden, wird argumentiert.

Wettbewerbspotenziale gegenwertig sehr gering

Im österreichischen öffentlichen Verkehr seien die Wettbewerbspotenziale gegenwertig sehr gering, da die Gesetze für einen wirksamen Ausschreibungswettbewerb fehlen. Die weitgefasste Definition der Eigenwirtschaftlichkeit im ÖPNRV-Gesetz schließe einen Großteil der Verkehrsleistungen vom Ausschreibungswettbewerb aus, und innerhalb der Grenzen der Eigenwirtschaftlichkeit bestünden kaum Anreize zur Steigerung der Kosteneffizienz. Zudem stünden die im Gesetz festgelegten organisatorischen Rahmenbedingungen einem fairen Ausschreibungswettbewerb entgegen, so das Wifo.

Im ÖPNRV werden in Österreich jährlich mehr als 1,5 Mrd. Personen befördert. Der Anteil der Wiener Linien am öffentlichen Verkehr liegt mit über 700 Millionen Beförderungsfällen bei 47 Prozent. Die Gesamtkosten der öffentlichen Verkehrsmittel betrugen 1999 etwa 1,9 Mrd. Euro, die zu zwei Dritteln von der öffentlichen Hand und zu rund einem Drittel aus Fahrscheineinnahmen finanziert wurden. Die ÖBB weisen im Nahverkehr einen Kostendeckungsgrad zwischen 30 und 40 Prozent auf. Die Wiener Linien hingegen erreichen eine Kostendeckung von beinahe 50 Prozent, geht aus dem Wifo-Bericht hervor.

Rieder: Spitzenwerte ohne Deregulierung

Wiens Wirtschaftsstadtrat Sepp Rieder dementiert den Bericht des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo) über einen geringen Zufriedenheitsgrad der Kunden beim Öffentlichen Personennah- und Regionalverkehr (ÖPNRV). "Wien ist ein Beispiel dafür, dass öffentlicher Verkehr zwar reguliert sein kann, aber trotzdem Spitzenwerte bei Akzeptanz, Qualität und Kundenzufriedenheit erreichen kann", kritisiert Rieder die Aussagen des Wifo im Monatsbericht April.

(APA)

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