Kirch fordert Erlöse aus Verkauf der TV-Rechte für die WM 2006

26. März 2002, 12:18
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Kirch will Fußball-Rechte im Tausch gegen Rückzug

Der deutsche Medienunternehmer Leo Kirch ist nach Angaben aus verhandlungsnahen Kreisen grundsätzlich zum Rückzug aus seiner Film- und Rechtegesellschaft KirchMedia bereit. Im Gegenzug fordert er dafür aber einen Großteil der Einnahmen aus dem Verkauf der TV-Rechte für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland.

"Kirch will sich einige Rosinen von KirchMedia sichern", hieß es am Dienstag aus den Kreisen. Er fordere bis zu 70 Prozent der Erlöse aus dem Verkauf der deutschsprachigen TV-Rechte an der Fußball-WM 2006 und eine Provision für die weltweite Übertragung. Dafür würde er sich vollständig aus KirchMedia zurückziehen. Wie es in den Kreisen weiter hieß, zeichnet sich in den Verhandlungen über die künftige Kontrolle von KirchMedia immer mehr die Übernahme durch die Kirch-Gesellschafter um den australischen Medienmogul Rupert Murdoch und den italienischen Konzern Mediaset ab.

Banken gaben nach

Aus Bankenkreisen verlautete am Dienstag, der australische Mediengigant Rupert Murdoch, der italienische Ministerpräsident und Medienunternehmer Silvio Berlusconi sowie der saudische Prinz El Walid und die Finanzgruppe Lehman Brothers sollten die Mehrheit an Kirch übernehmen. Eigentlich seien die Banken entschlossen gewesen, die Mehrheit an Kirch zu übernehmen. Die Investoren aus der Medienwelt seien jedoch vehement dagegen gewesen, worauf die Banken nachgegeben hätten.

"Derzeit deutet alles darauf hin, dass die Gesellschafter die Mehrheit an KirchMedia übernehmen werden", sagte ein Bankenvertreter. Die vier Kreditinstitute Bayerische Landesbank, HypoVereinsbank, DZ Bank und Commerzbank würden sich aber wahrscheinlich ebenfalls an der Kapitalerhöhung von 800 Millionen Euro beteiligen, um mit dieser Finanzspritze die Liquidität der Gesellschaft zu sichern. Derzeit werde eine Minderheitsbeteiligung der Banken von 25 bis 30 Prozent an KirchMedia nach der Kapitalerhöhung diskutiert.

79 Prozent für Leo Kirch und Sohn

An KirchMedia, die über den größten Filmrechtestock in Deutschland und die TV-Rechte an den Fußballweltmeisterschaften von 2002 und 2006 verfügt, hält der 75-jährige Firmengründer Leo Kirch zusammen mit seinem Sohn Thomas rund 79 Prozent. Die Minderheitsgesellschafter - neben Murdoch und Mediaset die Handelsgruppe Rewe, der saudische Prinz Al Waleed und die Finanzinvestoren Lehman Brothers und Capital Research - halten zusammen 21 Prozent. Allein durch die Kapitalerhöhung würde Kirchs Anteil auf unter 50 Prozent verwässern. (APA/Reuters)

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