AOL Time Warner schreibt Milliarden ab

26. März 2002, 12:15
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US-Medienkonzern muss Wertberichtigung von 54 Milliarden Dollar vornehmen

New York - Der weltgrößte Medienkonzern AOL Time Warner wird im laufenden Quartal wegen der Anwendung eines neuen amerikanischen Bilanzstandards eine Sonderabschreibung über 54 Milliarden Dollar (61,4 Mrd. Euro) vornehmen. Damit präzisierte das Unternehmen frühere eigene Schätzungen von 40 bis 60 Milliarden Dollar.

Wert gesunken

Die Abschreibung spiegele den gesunkenen Wert des Unternehmens nach dem Kauf von Time Warner vor zwei Jahren wider, teilte der Konzern bei der Vorlage des Jahresberichts am Montag mit. Die Fusion war 2000 zunächst mit 181 Milliarden Dollar bewertet worden, aber zum Zeitpunkt des Abschlusses im Januar 2001 war der Wert des gemeinsamen Unternehmens auf 106 Milliarden Dollar geschrumpft. Sorgen um die Entwicklung des Umsatzes und die zukünftigen Werbeeinnahmen hatten die Aktie des Konzerns um 47 Prozent einbrechen lassen. Am Montag verloren die Titel in einem schwachen Marktumfeld in New York 1,18 Prozent auf 24,21 Dollar.

Bereits Anfang des Jahres hatte AOL Time Warner eine Sonderbelastung für das erste Quartal im Zuge neuer Bilanzstandards für Firmenwertabschreibungen von bis zu 60 Milliarden Dollar angekündigt. Die jetzt bekannt gegebene Größenordnung entspricht etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Neuseeland oder Ungarn.

AOL Time Warner teilte im Geschäftsbericht weiter mit, die Schulden der Tochter AOL Europe hätten sich Ende 2001 auf rund 573 Millionen Dollar belaufen. Jordan Rohan, Analyst bei SoundView, bezeichnete die Summe als "bedeutend". AOL hatte zu Jahresbeginn den Anteil der Bertelsmann AG an AOL Europe für 6,75 Milliarden Dollar in bar zurückgekauft. Viele Analysten hatten den Preis als zu hoch eingeschätzt. (APA/Reuters)

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