Mazedonien: Tote und Verletzte bei Schießerei zwischen Rebellen

26. März 2002, 15:43
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UCK-Kämpfer attackierten Ort bei Tetovo - Friedensabkommen "Zeitverschwendung"

Skopje/Pristina - Bei Flügelkämpfen zwischen albanischen Rebellengruppen in Mazedonien sind mindestens zwei Kämpfer getötet worden. Es war der schwerste Zwischenfall in dem Krisengebiet seit Monaten. Außerdem habe es fünf Verletzte bei den Zusammenstößen in der Nacht zum Dienstag bei Tetovo gegeben, sagte NATO-Sprecher Craig Rattcliff in Skopje. Aus albanischen Erklärungen wurde deutlich, dass sich Vertreter der offiziell aufgelösten "Nationalen Befreiungsarmee" (UCK) Schießereien mit der Splittergruppe "Albanische Nationalarmee" (AKSh), die eine Fortsetzung des Kampfes will, lieferten.

Die AKSh teilte mit, es habe vier Tote gegeben, drei auf Seite der UCK. Die Untergrundgruppe erklärte, zwei frühere UCK-Kommandanten mit den Decknamen Leka und Hoxha hätten AKSh-Rekruten in der Ortschaft Recica bei Tetovo attackiert. Bewohner der Ortschaft berichteten über mehrstündige Schießereien und Explosionen. Erst danach seien NATO-Truppen angerückt. Die AKSH rief zur Fortsetzung des Kampfes auf und bezeichnete das Friedensabkommen von Ohrid als "Zeitverschwendung". Der politische Flügel der UCK um den bisherigen Rebellenführer Ali Ahmeti wollte sich zunächst nicht äußern.

Die albanische UCK-Miliz hatte Anfang 2001 einen bewaffneten Kampf gegen mazedonische Regierungstruppen und Polizeikräfte begonnen und mehr Rechte für die albanische Volksgruppe gefordert. Nach Abschluss eines Friedensplans hatte sie sich offiziell aufgelöst. Die militante Untergrundgruppe AKSh widersetzt sich dem Friedenskurs und bekannte sich zu mehreren Anschlägen und Angriffen. Die Gruppe steht auf einer schwarzen Liste der US-Regierung.

NATO bestätigt Vorfälle

Die NATO bestätigte in Skopje, dass bei den bewaffneten Auseinandersetzungen in Mala Recica in der Nähe der Albaner-Hochburg Tetovo mindestens zwei Menschen getötet und fünf Personen verletzt worden sind. Zeugen berichteten von einem 40-minütigen Maschinengewehrfeuer. Die Einwohner von Mala Recica hätten sich in ihren Kellern versteckt.

Während die UCK offiziell aufgelöst wurde und sich auch zum Friedensabkommen von Ohrid bekenne, wolle die ANA (AKSh) albanische Interessen auf dem Balkan mit Gewalt lösen, zitierte die jugoslawische Nachrichtenagentur Tanjug Quellen in Skopje. In Mala Recica befinde sich der Stab des ehemaligen UCK-Führers und nunmehrigen Politikers Alija Ahmeti. Er forderte noch am Vortag die Albaner zu "bürgerlicher Weisheit und institutioneller Disziplin" auf. Ebenso müsse das Abkommen von Ohrid, das einen "individuellen und kollektiven Sieg der Albaner" darstelle, geachtet werden, betonte Ahmeti.

Die ANA hingegen ist mit diesem Friedenskurs nicht einverstanden und hat sich bereits zu mehreren Angriffen bekannt. Sie fordert eine Fortsetzung des Kampfes, "bis die albanischen Territorien auf dem Balkan vereint sind". Vor kurzem hatte die ANA auch die Ortschaft Lisec bei Tetovo und weitere zwei Dörfer in der Umgebung zu "befreitem Territorium" ausgerufen. Die NATO entsandte unterdessen Truppen in die noch immer nicht von mazedonischen Sicherheitskräften kontrollierte Region, um die Situation zu prüfen. (APA/dpa)

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