Sprengstoff aus Bosnien

26. März 2002, 10:48
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Kriegsparodie "No Man's Land" zeigt Unfähigkeit der internationalen Staatengemeinschaft

Belgrad - Bosnien bleibt auf dem Sprengstoff liegen und alle schauen weg. Das ist die Botschaft der Kriegsparodie ''No Man's Land'', die in Hollywood mit dem Oscar für den besten nicht englischsprachigen Film ausgezeichnet wurde. Der junge bosnische Regisseur Danis Tanovic zeigt in seinem Spielfilmdebüt die Mentalität und Ohnmacht, aber auch den mangelnden Willen der internationalen Staatengemeinschaft, bzw. ihrer Friedenstruppen, die Probleme seiner Heimat wirklich zu lösen.

Die beiden Hauptakteure des Films sind ein Moslem und ein Serbe, die sich zwischen zwei Fronten in einem verlassenen Militärgraben treffen und zeitweise tiefen gegenseitigen Hass bekunden, um sich dann wiederum kameradschaftlich zu verhalten. Die Antwort auf die Frage, wer den Krieg ausgelöst hat, hängt davon ab, wer von den beiden gerade das Gewehr in der Hand hat. Der lokale UNPROFOR-Kommandant aber widmet sich lieber dem Schachspiel und seiner jungen Sekretärin als den Problemen vor Ort. Die Katastrophe ist voraussehbar: Wenn die internationalen Medien und die Friedenstruppen den Krisenort verlassen, bleibt der Bosniake im Militärgraben auf dem Sprengstoff liegen.

Zerbrechlich

Tanovic hat den Oscar für seinen Erstling nur wenige Tage vor dem zehnten Jahrestag des Kriegsbeginns in Bosnien erhalten. Auch wenn sein Film nicht nur die Sinnlosigkeit des Krieges in seinem Heimatland schildert, wird der Zuschauer unvermeidlich daran erinnert, dass Bosnien weiterhin ein Land ist, in dem der Krieg zwar beendet, der Frieden aber weiterhin höchst zerbrechlich ist.

Nicht nur was die Finanzierung betrifft - "No Man's Land" entstand mit Unterstützung des französischen Kulturzentrums in Belgrad, des italienischen TV-Senders Rai, der schweizerischen Stiftung Montecinemaverita de Locarno und der slowenischen Regierung - ist der Streifen ein Film von europäischem Format. Auch die Besetzung der Schauspieler ist international. Kameramann Walter Vanden kommt aus den Niederlanden, für den Schnitt war die Italienerin Francesca Calvelli zuständig, für den Ton der Franzose Henry Morelle. (APA)

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