Abgang in die innere Emigration

26. März 2002, 19:55
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Noch-Josefstadt-Direktor Helmuth Lohner will nach 2003 nicht mehr Theater spielen

Wien - Wenn die Fellner-Brüder ein Theater- und Kulturmagazin übernehmen, wird selbst aus der einst gediegenen Bühne eine reißerische Illu, die mit Emotionen spielt. Und wenn dieses Blatt in seiner April-Nummer ein Interview mit Helmuth Lohner unter dem Titel "Ich verlasse Österreich als Menschenfeind" veröffentlicht, herrscht plötzlich helle Aufregung.

Doch Lohner ist nicht zum Menschenfeind geworden, auch wenn ihm die Kulturpolitiker von Bund und Stadt übel mitspielten. Er spielt ihn bloß. Kommende Saison, seiner letzten als Direktor des Theaters in der Josefstadt, in Molières gleichnamiger Komödie. Zudem verlässt er Österreich nicht: Lohner hat in Wien, wie er sagt, ein Zuhause gefunden, das er behalten möchte. An der Seite von Sacher-Chefin Elisabeth Gürtler.

Sehr wohl aber ist Lohner entschlossen, in die innere Emigration zu gehen: Mit seinem Abgang als Prinzipal im Sommer 2003 will der Publikumsliebling auch von der Bühne abtreten. Als Schauspieler in Österreich.

Schließlich habe er lange genug Theater gespielt. Bis zur Selbstaufgabe: In der Saison 2000/2001 trat er 217-mal auf. Zudem glaubt Lohner zu wissen, dass man kein Interesse an ihm habe: "Die Salzburger Festspiele sind für mich sowieso vorbei", meinte er gegenüber dem STANDARD. "Aber auch wenn man mich fragt: Ich würde ablehnen." Als Regisseur will Lohner weiterarbeiten. Im Musiktheaterbereich. Im Ausland. Angebote lägen vor, auch wenn es noch kein konkretes Projekt gebe.

Groll über die Politik

Natürlich spricht aus ihm Verbitterung. Denn nach wie vor kann Lohner nicht verstehen, warum die Subventionsgeber, Andreas Mailath-Pokorny (SP) und Franz Morak (VP), Karlheinz Hackl als Nachfolger partout verhinderten: "Da gibt es wohl so eine gewaltige Selbstherrlichkeit, dass sie glauben, sie brauchen nichts zu begründen, sie entscheiden einfach." Und sie entschieden über die Jury hinweg: Hans Gratzer wurde über den Pakt informiert, bevor diese noch getagt hatte. Was Lohner, der für Hackl plädierte, mit den Worten kommentiert: "Es schaut besser aus, eine Jury einzusetzen. Das sind immer diese pseudodemokratischen Aktionen."

Als Rache will Lohner seinen nahenden Abtritt aber nicht verstanden wissen. Zumal er nichts gegen Gratzer habe: "Es gibt keine Probleme mit ihm, ich werde ein funktionierendes Theater übergeben." Wie gut dieses Theater derzeit funktioniere, beweisen die Zahlen: "Wir haben die erfolgreichste Saison."

Ihn zu einer Revision seines Entschlusses zu bewegen werde nicht gelingen, sagt Lohner. Und so bleibt Gratzer nur der Kommentar, er bedauere den Entschluss - "für sein Publikum und das Theater in der Josefstadt".
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27. 3. 2002)

Von
Thomas Trenkler

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