Kirchs Show must go on

26. März 2002, 16:59
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Ein Kommentar von Alexandra Föderl-Schmid

Wäre in Deutschland nicht Wahlkampf, würde Leo Kirchs Medienimperium wohl das Schicksal des Baukonzerns Holzmann erleiden und in die Pleite schlittern. Die Deutsche Bank hat bereits vor Wochen erklärt, dass - rein betriebswirtschaftlich betrachtet - keine neuen Kredite mehr zur Verfügung gestellt werden dürften. Kirch hat einen Schuldenberg von mehr als sieben Milliarden Euro angehäuft.

Da aber die bayerische Landespolitik ihre Finger mit im Spiel hat und Kirch mit landeseigenen Mitteln jahrelang unterstützt wurde, wäre ein Zusammenbruch des Kirch-Konzerns auch eine Pleite für den Kanzleranwärter, Bayerns Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Deshalb engagieren sich vor allem Institute des Freistaates wie die halbstaatliche Landesbank beim Rettungsversuch. Zweifel am Sinn der Bemühungen sind angebracht: Der Pay-TV-Sender Premiere bleibt weiter bestehen, obwohl offenkundig das Zuschauerinteresse angesichts von mehr als dreißig Free-TV-Angeboten in Deutschland zu gering für einen finanziell tragfähigen Abokanal ist.

Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder hält sich inzwischen - mit Blick auf die Holzmann-Pleite - zurück. Im Jahr 1999 hat sich Schröder spektakulär für den Fortbestand des Baukonzerns eingesetzt, der vergangene Woche doch Insolvenz anmelden musste. Schröder präsentierte damals seine Intervention als politischen Erfolg. Stoiber dürfte angesichts der Involvierung Bayerns im Fall Kirch nicht so dreist sein. Aber auch für Schröder, der sich an seinen Erfolgen bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit messen lassen will, wäre es nicht vorteilhaft, wenn durch Kirchs Konkurs zehntausend Arbeitsplätze wegfielen. Deshalb gilt: The show must go on. Zumindest bis zum Wahltag am 22. September fließen die Millionen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 26. März 2002)

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