US-Regisseur Stone dreht Dokumentation über Nahost-Konflikt

26. März 2002, 06:31
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Film konzentriert sich auf Arafat

Ramallah - US-Filmregisseur Oliver Stone dreht derzeit an einer Dokumentation über den Nahost-Konflikt. Am Montag filmte er ein Treffen von Palästinenser-Präsident Yasser Arafat mit US-Vermittler Anthony Zinni in Ramallah im Westjordanland. Der Oscar-Gewinner, der sich auf Filme mit politischem Hintergrund spezialisiert hat, sagte, er bewege sich bei seinen jüngsten Dreharbeiten auf gewohntem Terrain. "Es gibt immer eine Ähnlichkeit in den Konflikten der Welt, wohin du auch gehst", sagte Stone der Nachrichtenagentur Reuters. "Was ist der gemeinsame Nenner? Vielleicht Stolz, vielleicht das menschliche Ego, vielleicht das Gefühl von Demütigung oder alle diese Faktoren."

Stone sagte, er habe schon eine Reihe israelischer Spitzenpolitiker für seinen Film befragt. Er deutete an, dass darunter auch Ministerpräsident Ariel Sharon sei. Ein israelischer Regierungssprecher bestätigte dies jedoch nicht. "Diese Charaktere, die man trifft - Herr Arafat und Herr Sharon, wer immer es ist,...sie erinnern dich daran, um was es im Leben eigentlich geht, worum es bei Führungspersonen, worum es bei Macht geht", sagte Stone.

Dies sei eine gute Grundlage für seine Film-Charaktere, sagte der Regisseur, der 1986 für seinen Film "Platoon" über den Vietnam-Krieg einen Oscar gewann. "Ich lerne aus diesen Erfahrungen, daher ist die Arbeit an einer Dokumentation für mich ein Genuss." Stone wollte keine Einzelheiten zu seiner neuen Arbeit bekannt geben. Er sagte lediglich, er arbeite mit französischen und spanischen Fernsehgesellschaften. Ein Mitglied des Produktionsteams sagte, der Film konzentriere sich auf den 72-jährigen Arafat.

Arafat und die Palästinenser-Regierung verhandeln derzeit erneut unter US-Vermittlung mit Israel um eine Waffenruhe. Bei dem seit September 2000 andauernden Aufstand der Palästinenser gegen die israelische Besetzung und für einen eigenen Staat wurden mehr als 1500 Menschen getötet, davon mehr als 1100 Palästinenser.

Ein politisches Urteil über die Situation im Nahen Osten wollte Stone nicht fällen. Das sei nicht seine Aufgabe. In seinen Filmen stehe Ausgeglichenheit an erster Stelle, sagte Stone. "Sie kennen den Kampf David gegen Goliath. Niemand hat je die Geschichte aus Goliaths Sicht erzählt, man hat immer Davids Seite gehört. Der geschickte, objektive Nachrichtenmensch würde Goliath fragen, wie es war, gegen David zu kämpfen. Das ist das, was ich frage." (APA/Reuters)

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