Buch spaltet Leserschaft

25. März 2002, 20:42
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Streit um Jesus-Karikaturen eskaliert: Haderers Verlag musste sogar die Polizei einschalten

Graz/Wien - Der Streit um das Buch " Das Leben des Jesus" von Karikaturist Gerhard Haderer eskaliert. Der Ueberreuter-Verlag, in dessen Programm das Buch erscheint, musste sogar die Polizei einschalten. Derart massiv seien die Drohungen gewesen, erklärt Geschäftsführer Fritz Panzer. Am Montag kam bereits die nächste per Post ins Haus. Den Verkauf beschreibt Panzer als noch "normal".

Österreichs katholische Bischöfe haben mit ihrer Kritik am Haderer-Buch - "Verspottung der Zentralgestalt des christlichen Glaubens" - für Aufregung am Büchermarkt gesorgt. Während in Wien die Lage noch ruhig sein soll, haben in Niederösterreich Händler das Buch bereits aus dem Programm genommen.

Verärgert haben viele Kärntner reagiert. Es gäbe Kunden, die sich in ihrer Religiosität verletzt fühlten, erzählt Erwin Brunner von der Klagenfurter Landhausbuchhandlung. Der Tenor: "Das soll er doch einmal mit dem Islam machen." Drohungen wie etwa gegen eine Villacher Buchhändlerin gebe es nicht.

Ganz anders in Graz: Dort hat das Haderer-Buch mehr Frohsinn denn Ärger ausgelöst. Selbst in der zur Diözese Graz-Seckau gehörenden Styria-Buchhandlung Moser. Von den lagernden 40 Stück seien bis zum Beginn der Debatte "ganze vier Stück" verkauft worden, sagt André Engelbert - nach der bischöflichen Kritik der Rest.

Das Jesus-Buch beschäftigt auch die Justiz. Es liegen zwei Anzeigen bei der Wiener Staatsanwaltschaft wegen "Herabwürdigung religiöser Lehren" vor. "Von privater Seite", wie der Erste Staatsanwalt am Landesgericht Wien, Helmut Kellner, betont: "Da bleibt uns gar nichts anderes über, als zu prüfen. Wir studieren jetzt das Buch. Dann gibt es vielleicht ein Verhör." (hs, mue, pm, stein, völ)
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.03. 2002)

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