Israel vertagt erneut Entscheidung über Beirut-Reise Arafats

26. März 2002, 12:57
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Sharon: "Mein Versprechen, Arafat nichts zu tun, war ein Fehler"

Jerusalem - Die israelische Regierung hat am Dienstag ihre Entscheidung über eine Reiseerlaubnis für Palästinenser-Präsident Yasser Arafat zur Teilnahme an der Gipfelkonferenz der Arabischen Liga in der palästinensischen Hauptstadt Beirut aufgeschoben. "Es wird eine Entscheidung geben, aber nicht jetzt, nicht heute Morgen", sagte Regierungssprecher Avi Pazner in Jerusalem. Die Palästinenser würden keine in Arafats Abwesenheit getroffene Entscheidung des Beiruter Gipfels unterstützen, selbst wenn sie in ihrem Interesse wäre, hat Informationsminister Yasser Abed Rabbo betont. Die "Washington Post" berichtete am Dienstag, Israel wolle Arafat ausreisen lassen, falls es im Laufe des Tages nicht zu neuen Gewalttaten komme.

Sharon: "Mein Versprechen, Arafat nichts zu tun, war ein Fehler"

Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon hat sein Versprechen, den palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat nicht anzutasten, als "persönlichen Fehler" bezeichnet. In einem am Dienstag in Auszügen veröffentlichten Interview der israelischen Tageszeitung "Yediot Aharonot" sagte Sharon: "Während meiner bisherigen Amtszeit habe ich ein Versprechen gegeben, das sich als Fehler herausgestellt hat: Ich habe erklärt, dass ich Arafat physisch nichts antun würde." In dem Interview, das am Mittwoch in voller Länge erscheinen soll, sagte der Regierungschef weiter: "Zunächst mag meine Zustimmung (Arafat nichts zu tun) korrekt gewesen sein. Aber von einem gewissen Zeitpunkt des Konflikts hätte ich ihnen (der Welt) sagen sollen: Ich kann das Versprechen nicht halten."

Mubarak rät Arafat von Beirut-Reise ab

Der ägyptische Staatspräsident Hosni Mubarak hat Palästinenser-Präsident Yasser Arafat davon abgeraten, zum Gipfel der Arabischen Liga nach Beirut zu reisen. Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon werde Arafat möglicherweise nicht in die Palästinensergebiete zurückkehren lassen, falls dieser Ramallah verlasse, sagte Mubarak in einem am Dienstag im Internet veröffentlichten Interview mit der libanesischen Zeitung "An-Nahar". Außerdem sei zu befürchten, dass die israelische Armee das Hauptquartier Arafats in Ramallah gänzlich zerstöre, sobald dieser außer Landes sei. Das zweitägige Gipfeltreffen der Arabischen Liga beginnt an diesem Mittwoch in der libanesischen Hauptstadt.

Israel akzeptiert "grundsätzlich" Zinnis Kompromiss

Israel hat am Dienstag früh "trotz einigen Bedenken" den Vermittlungsvorschlag des US-Sonderbeauftragten Anthony Zinni für eine dauerhafte Nahost-Waffenruhe akzeptiert. Dies wurde nach einer mehrstündigen Sitzung des inneren Kabinetts unter Ministerpräsident Ariel Sharon am Morgen bekannt. (APA)

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