Noch ein Chip, der unter die Haut geht

27. März 2002, 17:58
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Implantat soll medizinische Daten speichern und Personen überwachen

Wien - Seitdem die kalifornische Firma Applied Digital Solutions (ADS) Ende des Vorjahres seinen implantierbaren Minichip, genannt VeriChip, der Öffentlichkeit vorgestellt hat, gehen die Wogen hoch. Nicht alle sind so begeistert wie der brasilianische Minister Antonio de Cunha Lima, der sich ausbedungen hat, als erster Lateinamerikaner "gechipt" zu werden.

Bei der Entwicklung VeriChip handelt es sich um ein kleines Speichergerät, auf dem beliebige Informationen gespeichert werden können. Fährt man mit einem Lesegerät - ADS hat dafür eine Entwicklung namens Digital Angel - über die Haut, unter der sich der Chip befindet, können diese Informationen gelesen werden.

Ursprünglich wurde der Chip dafür entwickelt, um als Sicherheitselement für andere Implantate wie Prothesen oder Kunstherzen zu dienen. Jedoch sind eine ganze Reihe anderer Anwendungen vorstellbar. Der brasilianische Politiker Cunha will VeriChip und Digital Angel mit GPS (Global Positioning System) ausgestattet haben, ist doch Brasilien eines der Länder mit hoher Kidnappingrate. Erst diesen Monat hat ADS eine Kooperationsvereinbarung mit Microsoft veröffentlicht, wonach bei den künftigen Entwicklungen des Chips Microsofts GPS-Plattform MapPoint unterstützt werden soll.

In den USA, wo derzeit die Zustimmung der Food-&-Drug-Administration abgewartet wird, will sich eine Familie, in der es Allergiker und Krebsfälle gibt, mit dem subkutanen Implantat ausstatten. Seither wird die Familie unter dem Schlagwort "die Cyborgs" durch Talkshows gereicht. Der Präsident der an der Nasdaq notierten ADS, Scott Silvermann, glaubt an einen weltweiten Markt in der Größenordnung von 450 Mio. US-Dollar (515 Mio. EURO) schon 2007 für Chips dieser Art.

In den Auftragsbüchern von ADS liegen angeblich schon Bestellungen in der Höhe von 300.000 Dollar. Die ersten Implantante sollen 200 US-Dollar (230 EURO) kosten. (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26. 3. 2002)

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