Todesurteil aufgehoben

26. März 2002, 12:21
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Vergewaltigte Nigerianerin wegen vermeintlichem "Ehebruch" freigesprochen

Sokoto - Die wegen Ehebruchs zum Tode verurteilte Nigerianerin Safiya Husaini aus dem Dorf Tungar-Tudu im Nordwesten des Landes ist Montag von einem islamischen Berufungsgericht im nigerianischen Sokoto freigesprochen worden. Der Vorsitzende Richter Mohammed Tambari-Uthman sprach die 33-Jährige von allen Anklagepunkten frei. Das Gericht hatte zuvor zwei Stunden lang beraten.

Safiya Husaini war im Oktober des vergangenen Jahres nach einer Vergewaltigung wegen Ehebruchs zum Tode durch Steinigung verurteilt worden - sie hätte mit den Beinen voran bis zur Brust in die Erde eingegraben und derart erschlagen werden sollen. Dagegen legte sie Berufung ein. Der Fall der vierfachen Mutter hat weltweit Proteste ausgelöst. Neben zahlreichen Menschenrechtsorganisationen forderte auch der Europarat eine Begnadigung der Frau.

Scharia

Nach der Scharia, dem islamischen Recht, macht sich jede Frau des Ehebruchs schuldig, wenn sie eine sexuelle Beziehung hat, ohne verheiratet zu sein. Das gilt auch für Frauen wie Safiya Husaini, die zwar bereits verheiratet waren, dann aber wieder geschieden wurden. Und es gilt auch im Fall einer Vergewaltigung. Als Beweis reicht der Justiz die Schwangerschaft - die geschiedene Husaini ist nach Vergewaltigung durch einen Freund ihres Exmannes schwanger geworden, erwartet in wenigen Wochen ein Kind, hat den Tatbestand des mit Todesstrafe zu ahndenden Ehebruchs somit erfüllt.

In den vorangegangenen Berufungsverhandlungen hatte Safiya Husaini auf Anraten ihres Rechtsanwaltes schließlich ihre Aussage zurückgezogen, sie sei vergewaltigt worden. Stattdessen gab sie an, ihre Tochter stamme von ihrem geschiedenen Ehemann - nach islamischem Recht darf eine Frau noch sieben Jahre nach Auflösung einer Ehe ein Kind von ihrem geschiedenen Mann empfangen. Damit fiel die Begründung für die Todesstrafe nach der Scharia weg, nämlich der Ehebruch.

Hand ab für Delikte

Insgesamt zwölf Bundesstaaten Nigerias führten in den vergangenen zwei Jahren die Scharia wieder ein. Damit steht auf Ehebruch, der davor mit Auspeitschen geahndet wurde, nun die Todesstrafe. Diebstahl, Sexualdelikte, Alkoholkonsum und Glücksspiel werden durch Körperstrafen wie Handabhacken oder Auspeitschen bestraft.

Wie am Montag weiters bekannt wurde, hat ein anderes islamisches Gericht im Norden Nigerias eine Frau wegen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilt. Amina Lawal sei bereits am Freitag von dem Gericht in Bakori im Bundesstaat Katsina verurteilt worden.

Die Frauenobfrauen von ÖVP und SPÖ, Maria Rauch-Kallat und Barbara Prammer, begrüßten den Freispruch von Husaini und zeigten sich bestürzt, dass nun Amina Lawal wegen Ehebruchs gesteinigt werden soll. Sie forderten internationale Proteste. (red, Der Standard, Printausgabe, 26.03.02)

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