Kirch nicht mehr Herr im Haus

25. März 2002, 20:07
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Medienmulti zu Abgabe der Mehrheit bereit - Berlusconi, Murdoch ringen um Kontrolle

Der Münchner Medienunternehmer Leo Kirch ist bereit, sich mit einer Rolle als Minderheiteneigner zu begnügen, um den Konzern vor Konkurs zu bewahren. Selbst völliger Rückzug ist nicht ausgeschlossen.

Die Gläubigerbanken haben dem 75-Jährigen am Wochenende klar gemacht: Sie sind nur unter diesen Bedingungen bereit zu neuen Krediten. Unter dem Eindruck der Alles-oder-nichts-Option hat sich Kirch bereit erklärt, die Mehrheit seines Imperiums an Banken oder an Rupert Murdoch oder Silvio Berlusconi abzugeben, derzeit mit 21 Prozent an Kirch Media beteiligt.

Einigung noch vor Ostern

Die Entscheidung, wer welche Anteile an der Kirch Media, dem Herzstück des Konzerns, hält, könnte schon Dienstag fallen. Der italienische Medienunternehmer und Ministerpräsident Berlusconi und der australisch-britische Konkurrent Murdoch kämpfen dem Vernehmen nach um die Vorherrschaft. Aber auch die Banken sind uneinig: Vor allem die Deutsche Bank will den Konzern oder Teile an den Meistbietenden verkaufen. Noch vor Ostern soll es zu einer Einigung kommen. Danach stehen für die Kirch-Gruppe größere Überweisungen an.

In der Kirch Media ist das profitable Kerngeschäft der Kirch-Gruppe mit dem Filmrechtehandel, Fernsehsendern wie ProSieben und SAT.1 sowie den Fernsehübertragungsrechten für die Fußballbundesliga und die Weltmeisterschaften 2002 und 2006 gebündelt. Auch der defizitäre Abokanal Premiere soll weiter betrieben werden.

800 Millionen Euro locker machen

Banken und Miteigner wollen bis zu 800 Millionen Euro lockermachen, zwei Drittel davon die Geldinstitute. Streit gibt es vor allem darüber, dass Berlusconi und Murdoch von den Kreditinstituten verlangen, auf Teile ihrer Kredite und Zinsen zu verzichten, wozu die nicht bereit sind.

Mit den 800 Millionen käme die Gruppe nach Einschätzung von Experten zumindest bis zum Herbst über die Runden. Bis dahin wollen die Banken ein tragfähiges Konzept für den Konzern entwickeln und Gespräche mit Investoren führen. Dann könnten ebenfalls Kirchs Konkurrenten Berlusconi und Murdoch zum Zug kommen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 26. März 2002)

Von STANDARD-Korrespondentin Alexandra Föderl-Schmid

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