Sterbehilfe, religiös motiviert

26. März 2002, 23:30
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Eine makabere "Legenda aurea" am Uni-Campus

Zu einem makaberen Stück Erzähltheater hat das Koproduktionsteam Pete Belcher, Peter Ketturkat, Nika Sommeregger und Hubertus Zorell die mittelalterliche Legendensammlung "Legenda aurea" des Dominikanermönchs und Genueser Erzbischofs Jacobus de Voragine verarbeitet.

Die Heiligenlegenden sollten in ihrer Anschaulichkeit (Bedrohung inbegriffen) den christlichen Glauben stärken. Botschaft: Sei selbstlos, dann bist du bei Gott. Eine unausgesprochene, aber notwendige Vergleichsparallele zieht das Theaterteam mit dieser "Legenda aurea" zu den religiös motivierten Selbstmordkommandos der Gegenwart, welchen ebenso die Verherrlichung des Jenseits zugrunde liegt.

Der bedrohliche Gebotsgestus mancher Legende (etwa jener des Heiligen Jacobus, dem - zum Schrecken des Volkes - Glied um Glied abgeschnitten wird) verkehrt sich in den von Regisseurin Nika Sommeregger dafür vorgesehenen Mündern vierer mittelalterlicher Gaukler in lachhafte Absurdität.

Diese kriechen schelmisch hinter den mit Leichenteilen behängten Marterpfahlen hervor. Gute Idee. Jedoch vermag sich der Abend trotz dieser frechen Verkündigungshaltung nicht über ein mühsames Anklagetheater zu erheben. Verursacht auch durch eine dramaturgische Nulllösung: Nach der ersten Geschichte ist alles schon gesagt. Was folgt, ist die Variation des immer Gleichen.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26. 3. 2002)

Von
Margarethe Affenzeller


Alte Kapelle,
Uni-Campus,
Wien 9.,
Spitalgasse 2-4,
Hof 2,
Karten: 0650/ 889 87 17.
Bis 30. 3.
20.00
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