Die Helden sind munter

25. März 2002, 22:03
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Mariss Jansons und die Berliner Philharmoniker bei den Salzburger Osterfestspielen

von Peter Cossé


Salzburg - Mitte der 70er-Jahre hatte Herbert von Karajan die Strausssche Tondichtung Ein Heldenleben auf eines seiner monomanen Osterfestspielprogramme gesetzt. Man hatte damals gerade eine provokante, im Tonfall mürbe Darbietung des G-Dur-Klavierkonzerts von Beethoven mit Alexis Weissenberg erlebt und verdaut, und dann ging es in fülliger, hochsonorer Leidenschaftlichkeit in die ersten Instrumentalwallungen einer heißen, fordernden Programmmusik.

Mariss Jansons nun hielt es in dieser Vorphase der menschlichen (und übermenschlichen) Selbsterklärung etwas schlanker, etwas bausteiniger als seinerzeit sein Lehrer und Mentor Karajan. Das Werk schien sich an diesem - durchaus gloriosen - Abend erst mit zunehmender Leidens-, Freudens- und Verklärungsdauer zu entfalten - zusammengesetzt und dann im Leisen wie im Enthusiastischen gesteigert aus den einzelnen Motiven einer kompositorischen Weltmusik- anschauung, die sich nicht zu schade ist, dem heroischen Individuum ins Auge zu blicken, gelegentlich aber auch tief unter die psychologische Wäsche zu spionieren.

Gemünzt auf die Leistungen der Berliner Philharmoniker, ist von diesem ersten Orchesterkonzert bei den Salzburger Osterfestspielen zu berichten: Die Helden aller Tutti, die Heroen an den ersten Streicher-und Bläserpulten zeigten sich munter bis an die Grenzen der - gleichwohl disziplinierten - Selbstaufopferung.

Seit Michel Schwalbés abgefeimter, betörender und im Lässigen noch gewissenhafter Violinkantilene hat man die konzertähnlichen Strauss-Soli noch nie so gekonnt, so zögerlich treibend (und doch auch klangschön!) erlebt wie unter der Obhut des neuen Berliner Konzertmeisters Guy Braunstein.

Die fast schon heiligen Verstrickungen am Ende mit den fallenden, leuchtend depressiven Modulationen des ersten Horns (Stefan Dohr) werden jedem sensiblen Hörer weit über diesen Abend hinaus im Gedächtnis bleiben.

Jansons hatte sein vorösterliches Engagement mit der Schottischen von Mendelssohn Bartholdy begonnen: klar in den Proportionen, einsichtig im Kommen und Gehen der Bilder und der Emotionen. Es ist also gut, dieses Orchester am Ort zu wissen, ungeachtet der Tatsache, dass sich die meisten seiner Mitglieder noch einmal den Parsifal anschauen müssen. Dies zum Glück am 1. April - so können sie es als kapitalen Bühnenscherz nehmen.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.03. 2002)

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