Gastgewerbe besser als sein Image

25. März 2002, 19:26
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Baugewerbe hat im Branchenvergleich die schlechteste Bonität

Wien - Die Einführung der neuen Eigenmittelvorschriften, mit denen die Banken die Kredite an Unternehmen unterlegen müssen, könnte zu einem Ausleseprozess in der Form von mehr Insolvenzen führen. Das ist eine der Folgen von Basel II, meint der TU-Professor Walter Schwaiger.

Zugleich würden die neuen Bestimmungen einen wichtigen Beitrag zur Firmenstabilität und schließlich mittelfristig zur Senkung der Insolvenzquote liefern. Auf Nachfrage schloss Schwaiger dann aber doch aus, das es per saldo zu mehr Pleiten kommen könnte. "Die Insolvenzen sollten fallen", sagte der TU-Betriebswirt bei einer Pressekonferenz mit Gerhard Prachner (PricewaterhouseCoopers) und Rainer Kubicki (Creditreform) am Montag.

Schlusslicht Baugewerbe

Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen von Basel II in Österreich, aufgeschlüsselt nach Branchen und Bundesländern. Am schlechtesten sei die Bonität im Baugewerbe, gefolgt vom Einzelhandel und dem Gastgewerbe. Besser als der Österreich-Schnitt stehe dagegen das verarbeitende Gewerbe dar, sagte Schwaiger. Er sieht kein strukturelles Problem im finanziell als chronisch schwachbrüstig verschrienen Gastgewerbe, es schaue mit einigen Ausnahmen recht gesund aus.

Das sei auch darin begründet, dass der Löwenanteil der Bewertungsfaktoren aus "weichen" Faktoren (Zukunftsaussichten) geknüpft sei: Der Faktor Eigenkapital mache nur 25 Prozent der Gesamtbewertung der Bonität aus. Bei der bundesländerweisen Betrachtung der Eigenmittelanforderungen schneide Oberösterreich am besten ab, gefolgt von Tirol und der Steiermark. Deutlich höhere Risikovorsorgen würden durch Basel II auf Niederösterreich und Salzburg zukommen. Am deutlichsten über dem Bundesschnitt liege Kärnten. (rose, DER STANDARD, Printausgabe 26.3.2002)

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