Leasingfirmen überlegen Abwanderung

26. März 2002, 18:52
7 Postings

"Steuerliche Nachteile werden zu groß" - Auch die Autobranche zittert vor EuGH-Urteil

Wien - "Das Jahr hat nicht wirklich gut begonnen. Zuerst das Urteil zur Normverbrauchsabgabe, und nun kommt noch die Mehrwertsteuer. Langsam müssen wir - wie alle anderen auch - überlegen, ob wir nicht nach Deutschland gehen und von dort aus unsere Angebote legen." Peter Engert, Geschäftsführer von Raiffeisen-Leasing, ist über die veränderten Rahmenbedingungen für die heimische Leasingbranche alles andere als glücklich.

Wie berichtet, hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) der deutschen Leasingfirma ASL Recht gegeben, die geklagt hatte, weil sie auch für nur kurz nach Österreich verleaste Autos die volle Normverbrauchsabgabe (NoVA) von bis zu 16 Prozent bezahlen musste. Nun wird das zuständige Finanzamt aufgrund des Urteils nicht österreichischen Leasingfirmen aus dem EU-Raum die NoVA teilweise zurückerstatten, wenn das Fahrzeug wieder ausgeführt wird - was heimische Konkurrenten benachteiligt.

"Gleichheitsgrundsatz verletzt"

Dazu kommt, dass vermutlich bereits im kommenden Monat der EuGH es für zulässig erklären wird, dass österreichische Unternehmen etwa bei deutschen Leasingfirmen ihre Fahrzeuge leasen und sich dann vom deutschen Fiskus die Mehrwertsteuer zurückholen. Damit wären "deutsche" Leasingraten für heimische Unternehmen um ein Fünftel billiger als vergleichbare Angebote in Österreich. "Wir sind benachteiligt", so Engert, "der Gleichheitsgrundsatz ist verletzt."

Nicht nur die Leasingfirmen fürchten den Spruch des EuGH. Auch der Autohandel zittert. Immerhin können Unternehmen dann auch beim Autokauf in Deutschland sich die Mehrwertsteuer einfach zurückholen. Zieht der österreichische Finanzminister hingegen nach, entgeht ihm bis zu einer Milliarde Euro an Einnahmen. (Michael Moravec, DER STANDARD, Printausgabe 27.3.2002)

Share if you care.