Grünes Licht für Galileo

26. März 2002, 19:04
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Europa erklärt sich unabhängig von den USA: Startschuss für EU- Satellitennavigations- system

Brüssel/Wien - Die EU-Verkehrsminister einigten sich am Dienstag auf die Entwicklung des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo. Für das gemeinsam mit der Europäischen Raumfahrtagentur ESA betriebene Projekt wurden vorerst 450 Mio. Euro bewilligt, die ESA bringt 550 Mio. Euro auf. Insgesamt werden die Kosten auf 3,6 Mrd. Euro beziffert. 2008 soll Galileo in Betrieb gehen.

Damit wurde ein vierjähriger Streit über die Beteiligung privater Unternehmen beigelegt: Um sich bei Ausschreibungen keine Vorteile verschaffen zu können, dürfen sie erst nach Abschluss der Ausschreibung in das Gemeinschaftsunternehmen aufgenommen werden. Österreichische Unternehmen, darunter die Austrian Aerospace und ARC Seibersdorf research, erhoffen Aufträge in Höhe von elf Mio. Euro.

EU-Verkehrskommissarin Loyola de Palacio prophezeite, dass Galileo 150.000 hochqualifizierte Arbeitsplätze schaffen werde. Bei der Entscheidung für Galileo sei die "Kernfrage, ob Europa souverän ist, oder ob wir nur ein untergeordneter Markt bleiben", begründete der spanische Vizepremier Francisco Álvarez-Cascos mit Blick auf das von den USA betriebene GPS (Global Positioning System).

Zivil kontrolliert

Das europäische Satellitennavigationssystem wird gratis die gleichen Dienste anbieten wie GPS. Höherwertige Funktionen, bei GPS dem Militär vorbehalten, soll Galileo gegen Entgelt auch zivilen Nutzern zur Verfügung stellen. Das europäische System wird zivil kontrolliert werden, schließt aber militärische Nutzungen nicht aus. Dazu wird Galileo ein Sicherheitsausschuss der EU-Mitgliedstaaten zur Seite gestellt.

Das aus 24 Satelliten bestehende US-Navigationssystem GPS wurde wie andere Technologien zuvor (z.B. Internet) zunächst für militärische Zwecke entwickelt, ehe es 1993 für zivile Nutzung geöffnet wurde. Für Zivilisten wurden die Signale auf eine Genauigkeit im Bereich von 100 Metern abgewertet, um für potenzielle Feinde unbrauchbar zu sein, während das Militär auf 10 bis 20 Meter kommt. Seit einem Jahr verzichten die USA auf die Abwertung der Signale und schränken ihre Verwertbarkeit bei Krisen regional ein, wie dies im Kosovo und in Afghanistan geschah.

In der Abhängigkeit des GPS-Betriebs durch das US-Militär liegt einer der wesentlichen Gründe für andere Staaten, eigene Systeme zu entwickeln. Kanada beteiligte sich bereits früh finanziell an der Entwicklung von Galileo, Russland mit technischem Know-how. Russland verfügt seit 1993 mit Glonass über ein eigenes System, von dessen 24 Satelliten jedoch nur mehr sechs funktionstüchtig sind. China, Israel, Indien, Südafrika und Australien sind gleichfalls an Galileo interessiert. China startete 2001 zwei Prototypen für ein eigenes System namens Beidou.

Genauere Daten

Navigationstechnologie erfreut sich, nicht zuletzt dank billiger Empfänger, wachsender Nachfrage bei Autos, Maut und mobilen Handydiensten. Das 30 Satelliten umfassende Galileo-Netz soll wesentlich genauere Daten als GPS liefern, im Bereich von fünf Metern. Auch soll es nördliche Regionen und Städte, beides GPS-Schwachpunkte, wesentlich besser abdecken. Nebennutzen sind präzise Zeitimpulse, die zur Steuerung und Synchronisierung von Anlagen verwendet werden. (Jörg Wojahn, Helmut Spudich, DER STANDARD, Printausgabe 27.3.2002)

GRAFIK
Galileo
EU-Gemeinschaftsprojekt mit österreichischer Beteiligung

KOMMENTAR
Standortbestimmung
Von Helmut Spudich

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Galileo Portal

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