Ärztinnen-Dienst in Vorarlberg für Opfer sexueller Gewalt

26. März 2002, 10:14
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Betreuung rund um die Uhr

Dornbirn - Mit dem "Ärztinnen-Dienst für weibliche Missbrauchsopfer" wird die Soforthilfe für Opfer sexueller Gewalt ausgeweitet. Im Krankenhaus der Stadt Dornbirn bekommen Mädchen und Frauen durch speziell geschulte Ärztinnen Beistand. Damit wird auch von medizinischer Seite gewährleistet, was bei der Exekutive längst Standard ist: Weibliche Opfer bekommen Hilfe durch eine (Fach-)Frau.

24 Stunden erreichbar

Die neue Dienstleistung geht auf eine Initiative der SP-Landtagsabgeordneten und Gynäkologin Elke Sader zurück, der sich die anderen Parteien anschlossen. Elke Sader: "Missbrauchte Mädchen leiden an einem psychischen Trauma, die Untersuchung durch einen Arzt belastet sie zusätzlich." Eine Meinung, die Walter Neunteufel, Vorstand der Gynäkologie Dornbirn, teilt: "Eine Frau legt sicher keinen Wert darauf, nach einer Vergewaltigung von einem Mann untersucht zu werden." Rund um die Uhr stehen ab sofort fünf Spitals-und drei niedergelassene Ärztinnen zur Verfügung.

Der neue Ärztinnen-Dienst bringt die Garantie, dass die Beweissicherung nach dem Verbrechen rasch durchgeführt wird. Alle Ärztinnen haben einen entsprechenden gerichtsmedizinischen Kurs in Innsbruck absolviert. Die Gynäkologie-Ambulanz wurde mit einem "forensischen Paket", das alle notwendigen Hilfsmittel zur Spurensicherung beinhaltet, ausgestattet.

Zur Untersuchung nach Dornbirn Der Ärztinnen-Dienst gilt für das ganze Land, ist aber in Dornbirn fix installiert. Was für die Opfer den Nachteil bringt, dass sie zur Untersuchung nach Dornbirn fahren müssen. Pikanterweise kann die neue Dienstleistung keines der Landeskrankenhäuser erbringen. Was einen ganz einfachen Grund hat: Die Gynäkologie-Abteilungen der LKH haben für einen Rund-um-die-Uhr-Dienst zu wenig Ärztinnen. Im Dornbirner Stadtspital hingegen haben bereits neue Zeiten begonnen, dort sind von acht Frauenärzten fünf weiblich.

Die Kriminalstatistik 2000 zeigt, wie notwendig Hilfe ist: In Vorarlberg wurden 289 Fälle sexueller Gewalt gezählt. 76 davon betreffen sexuellen Missbrauch. Österreichweit zeigt die Statistik 465 Missbrauchsfälle, 587 Vergewaltigungen und 448 Fälle sexueller Nötigung auf. (jub, Der Standard, Printausgabe, 26.03.02)

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