Wasserpipelines in Tirol sollen den Geldhahn öffnen

25. März 2002, 22:12
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Geplanter Quellwasserexport erregt die Gemüter

Innsbruck - Mit weniger als einem Drittel der 21.000 bekannten Quellen wird derzeit Tirols Wasserbedarf gedeckt. Überlegungen, diese Wasser-in Geldquellen umzumünzen, häufen sich. Beispiel: die Mühlsprung-Quelle in Nassereith, bei der demnächst Baubeginn für eine Abfüllanlage sein soll, wo täglich 800.000 Flaschen für den Export befüllt werden sollen.

Umstrittener sind Ideen, Tiroler Quellwasser per Pipeline zu exportieren. Bruno Wallnöfer, Chef der Innsbrucker Kommunalbetriebe (IKB), hat sich mit dem Gedanken an eine Wasserpipeline nach Bayern oder Oberitalien heftige Oppositionsschelte eingehandelt. Tatsächlich schafft das Produkt selbst natürliche Grenzen für seinen Verkauf. Eine Pipeline könne Wasser höchstens 300 Kilometer weit ohne Qualitätsverlust transportieren, erklärt Ulrich Mayerhofer, IKB-Verantwortlicher für die Wasserwirtschaft. Pipelineexporte kämen daher nur Regionen in oder am Rande der Alpen infrage, also Orte, die grundsätzlich Zugang zu sauberem Wasser haben.

Ohne dass konkrete Vorarbeiten vorliegen, werden bei den Kommunalbetrieben Möglichkeiten geprüft, Wasser aus dem Achensee (der im Besitz der Stadt Innsbruck ist und über Trinkwasserqualität verfügt) nach München zu verkaufen.

"Wasserrecht verhindert Quellen-Verkauf nicht"

Mayerhofer sieht die Gefahr, die Verfügbarkeit über den Rohstoff Wasser ans Ausland zu verlieren, eher durch die Zersplitterung der Eigentumsrechte an den Quellen gegeben. Das Wasserrecht verhindere einen Verkauf von Quellen ans Ausland nicht, meint Mayerhofer, und eine Verwertung des Wassers könne grundsätzlich nicht verboten werden, solange dadurch nicht die Versorgung im Einzugsgebiet der betreffenden Quelle gefährdet sei.

Daher wollen Tiwag und IKB ihre künftigen Verflechtung nicht auf den Strommarkt beschränken. Gemeinden und kommunalen Dienstleistern soll nun beim Wasser ein Angebotspaket geschnürt werden, das die Wirtschaftlichkeit sichern und gegen mögliche Verlockungen aus dem Ausland immunisieren soll, hofft Mayerhofer.

Pläne für eine Wasserpipeline gibt es auch in der Landesregierung: In die Röhren der neuen Unterinntalbahn soll eine "Wasserschiene" integriert werden, um die Versorgung der Anrainergemeinden abzusichern. (hs, Der Standard, Printausgabe, 26.03.02)

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