Innenministerium: "Gute Ausbildung"

26. März 2002, 19:26
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Sprecher verteidigt UNO-Polizisten

Wien - Die Kritik des Hohen Repräsentanten der UNO für Bosnien, Wolfgang Petritsch, an der Ausbildung der österreichischen UNO-Polizisten stößt im Innenministerium auf energischen Widerspruch. "Unsere Polizisten und Gendarmen haben eine im internationalen Vergleich ausgezeichnete Ausbildung", meint Rudolf Gollia, Sprecher der Generaldirektion für öffentliche Sicherheit. Diese sei auch im Ausland anerkannt: "Unser Ausbildungsplan wurde auf damaliges Ersuchen der belgischen EU-Präsidentschaft auf Polizeiexpertenebene der EU vorgestellt und diente als Vorlage für die zukünftige Vorbereitung der EU-Polizei im Rahmen des zivilen Krisenmanagements."

Voraussetzung für den Dienst im Ausland sind eine mindestens fünfjährige praktische Diensterfahrung, disziplinäre Unbescholtenheit und gute Englischkenntnisse. Die psychische und physische Eignung wird vom Chefarzt des Innenministeriums überprüft, danach folgt ein zweiwöchiger Ausbildungs- und Selektionskurs, in dem "selbstverständlich" auch Stressmanagement und der Umgang mit den am Einsatzort auftretenden psychologischen Problemen gelehrt wird. Derzeit hat das Innenministerium rund 900 Beamte zu Auslandseinsätzen von Bosnien bis Haiti abkommandiert. "Wir haben natürlich ein Interesse daran, das gute Ansehen zu erhalten, das unseren Leuten entgegen gebracht wird", so Gollia. Zum Fall des aus dem Kosovo nach Österreich zurückgeholten UNO-Polizisten Martin A. meint Gollia, dass dem Ministerium noch keine Stellungnahmen vorlägen und nun penibel hinterfragt werde, was genau geschehen sei.

UNO-Repräsentant Petritsch stellt klar, dass es ihm nicht darum gegangen sei, "einen allgemeinen Ausbildungsmangel in der Vorbereitung der österreichischen UNO-Polizisten" darzustellen. Seine Aussagen seien "teils missverständlich und aus dem Zusammenhang gerissen" präsentiert worden. Petritsch wiederholt aber, dass die Beamten "ein ungemein schwieriges Umfeld" erwarte und die "psychischen Belastungen sehr hoch" seien. Daher werfe "jeder Fall vermuteten oder nachgewiesenen Fehlverhaltens eines Polizisten zwangsläufig die Frage auf, ob Vorbereitung und Ausbildung der Situation vor Ort angemessen sind. Und jeder Fall sollte zum Anlass genommen werden, die eigene Ausbildung zu hinterfragen, zu adaptieren und zu verbessern." (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 27. 3. 2002)

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